Tja, die Franzosen, Heinrich Heine nannte sie einmal so schön: Hofschauspieler des lieben Gottes, les comédiene ordinaires du bon Dieu – Unser Autor Volkmar Schlutter war im Juni im Institut français Berlin:

Die Nacht der Philosophie im Institut français in Berlin

Eine Nacht der Philosophie zu veranstalten ist eine tolle Idee, die unlängst im Französischen Kulturzentrum von Berlin ein großartiges Ereignis wurde. Das Maison de France ist ein Angelpunkt am Kurfürstendamm, jenem geschichtsträchtigen Boulevard der Berliner City-West, der jetzt wieder verstärkt um Aufmerksamkeit kämpft und seinen alten Glanz wieder haben möchte.

La nuit avant le Maison de France a Berlin (Bild: V.S.)

La nuit avant le Maison de France a Berlin (Bild: V.S.)

Nun, die Lange Nacht ist mittlerweile zu einem erfolgreichen Format unseres heutigen Eventismus geworden. Ein Veranstaltungs- und Festivalhype als ein typisches Erscheinungsbild der Postmodernen. Aber bisher kannten wir eher die monströsen Veranstaltungen wie die Lange Nacht der Museen, der Wissenschaften usw., die einem in ihrer Fülle und Überangebot schon allein beim Studium des Programms nahezu resignieren lassen. So wurde aber die Nacht der Philosophie eine eher feine Veranstaltung. Eben mehr Eule als Elefant.
Es war tatsächlich eine ganze Nacht, denn von 19 Uhr bis zum Sonnenaufgang um 7 Uhr gab es eine vielfältige Auswahl hervorragender Referenten sowie Film- und Tonmaterial, die im „Stundentakt das weite Feld der Philosophie mit völlig neuen Ansätzen und Wegen“ auf vier Etagen bestritten.

Die Franzosen machen es uns mal wieder vor. Schon einmal zeigten sich die Franzosen in Sachen Philosophie, als Vorreiter. Zuletzt in den späten 1960er und 70er Jahren mit Philosophen und Soziologen wie Michel Foucault, Jean Baudrillard, Jaques Derrida, Gil Deleuze und Pierre Bourdieu, um nur einige zu nennen.
Es ging um ein „Neues Denken“. Einem Denken, das Vielheiten und Differenzen affirmiert. Nicht vile hierzulande kannten und erkannten dies. Es ist vor allem der Verdienst des Berliner Verlegers Peter Gente und von Dietmar Kamper, ehemals Professor für Soziologie an der Freie Universität Berlin, die diese wichtige französische Inspiration nach Deutschland brachten. Peter Gente besorgte mit seinem Merve Verlag die deutsche Erstveröffentlichung der entscheidenden französischen Autoren des Neuen Denkens und löste damit einen Trend aus. Jetzt war der Diskurs, jene neue Art und Weise der Erörterung, um sich einem Thema zu nähern und natürlich um Probleme zu lösen, in aller Munde.
Aber zurück zu dieser fabelhaften, äußerst kurzweiligen Nacht: 62 Vorträge; 12 Stunden Ton und Texte, Filme und Videos. Und als ein wichtiger Bezugspunkt der Philosophie, die Kunst, gab es 12 Performances. Besonders originell die Performance am Klavier von und mit Karol Beffa: Das Publikum wirft philosophische Begriffe in den Raum auf die der Pianist unmittelbar reagiert. Wenn da zum Beispiel „Der Dialog zwischen einem französischen und einem deutschen Philosophen“ intoniert wurde, dann war das nicht nur einzigartig, es war auch sehr amüsant.
Das gedruckte Programm machte die Auswahl leichter. Dies alles bei freiem Eintritt und begleitet mit einer großzügigen Bewirtung an Getränken und Pralinès. Denn drohte man doch mal zu ermüden, gab es gratis und nonstop italienischen Kaffee und als geistanregendes Getränk wurden erlesene französische Weine verköstigt. Ein nächtlicher Empfang mit leckerem Aperitif sorgte für wohltuende Erfrischung. So wandelten die ganze Nacht über 5000 Besucher durch das gesamte Haus. Es war leicht, sich rundherum geistig wie körperlich wohl zu fühlen, auch wenn es noch so spät (früh) wurde. Die Franzosen – nicht nur Le Grand Nation.
Volkmar Schlutter

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