Der Mensch als Gestalter der Natur: Gärten und immer wieder Gärten

 

Die Wiederherstellung der Schaugärten in Berlin-Dahlem

 

Die Natur in Form von Gärten zu zähmen, gehört zu einen der schönsten ästhetischen Errungenschaften der Menschheit. Der Land- und Gartenbau gelten als die Anfänge der Zivilisation. Der denkende und vor allem der selbstbewusste Mensch löst sich von der Natur und entzieht sich der einstigen totalen Abhängigkeit von ihr. Es war eine bedeutende Wende von diesem einstigen Ausgeliefertsein hin zur Eigenständigkeit. Durch die aktive Kultivierung war der Mensch nicht mehr von der Laune der Natur, der Eigenwilligkeit des Waldes, der Pflanzen und Tiere, abhängig. Und so ist der Mensch mit der Pflanzenwelt verfahren: Pflanzen wurden im Landbau großflächig kultiviert – in kleinem Maß um Haus und Hof als Gartenbau. Aus dem einst rein funktionalen Gartenbau entwickelten sich später Gärten und Parks zur Erholung von Leib und Seele. Denn besonders der Anblick schöner Blumen freut Sugen und Herz.

Doch die Gartenkunst ist eine in Vergessenheit geratene Kunst. Auch wenn wir die alljährlich mit großem Aufwand beworbenen verschiedensten Landesgartenschauen oder die alle vier Jahre stattfindende Bundesgartenschau erleben können, – so schreckt uns doch der großveranstalterische, ja der nahezu industrielle Charakter ab. Mit einer aufgeblähten Maschinerie versuchen die Veranstalter der Gartenschauen uns nicht als wandelnde Genießer, sondern als Kunden zu gewinnen. Vom Großparkplatz wird man in Busshuttles zum Großgelände gekarrt: Verloren, verlaufen, untergegangen.
Das ist bei den wiederhergestellten Schaugärten der einst Königlichen Gärtnerlehranstalt in Berlin-Dahlem anders: Klein, aber fein. Lieblich und überschaubar – statt wuchtig und großdimensioniert. Die Eröffnung der wiederhergestellten Schaugärten fand an einem schönen Nachmittag im Frühsommer statt. Was kann es besseres geben, als bei wunderbarem Wetter, Sonne und lauem Lüftchen, durch einen schönen künstlerischen Garten in angenehmer Gesellschaft (es waren allesamt Freunde der Gärten) mit einem Gläschen besten Prosecco zu wandeln.
Die Königliche Gärtnerlehranstalt richtete 1903 in Berlin Dahlem Schaugärten zur Ausbildung ihrer Gärtnergesellen ein. An dieser Fachschule wurden die Lehrlinge praktisch-wissenschaftlich und auch gartenkünstlerisch ausgebildet. Am Standort der Königin-Louise-Straße gab es neben modernen Lehr- und Forschungsgebäuden auf 6,5 ha Versuchsflächen für den Gartenbau auch die nur dem sinnlichen Genuss dienenden Schaugärten.

Schaugärten in Berlin Dahlem

Schaugärten in Berlin Dahlem

Wie sinnvoll weitgespannt, gedacht und ausgeführt: In den Nutzgärten wurde sich der Ertragssteigerung im Obst- und Gemüsebau gewidmet; in den Gewächshäusern die Pflanzenvermehrung und Kultivierung exotischer Früchte betrieben. Die gartenkünstlerisch hochwertigen Schaugärten aber, von einem Arboretum umschlossen, waren Anschauungsbeispiele für die Studenten und dienten auch zur Bewertung neuer Zierpflanzensorten. Diese Gärten können wir jetzt in alter Pracht wiederhergestellt genießen.
Denn um ein Haar wäre durch unüberlegte Planungen dieses einzigartige Gartendenkmal zerstört worden. Bereits nach dem Krieg kam so vieles durcheinander. So kam es durch die Neuordnung der Berliner Hochschulen und Universitäten und geänderte Nutzungsrechte für Immobilen des Landes Berlin zu Veränderungen, die die einstige Anlage immer mehr zu entstellen drohte. Um dieser möglichen Verunstaltung wegen, wurde bereits 1995 weitsichtig dieses einzigartige Ensemble unter Denkmalschutz gestellt. Nicht genug damit, denn weitere Planungen von 2006 sahen Veränderungen vor, die diese schöne Gesamtanlage zu zerstören drohten.
„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch. “ – Friedrich Hölderlin bewahrheitet sich zum Glück wieder einmal. So gab es durch besonnene Lehrer der Gartendenkmalpflege der Technischen Universität Berlin und der Pückler-Gesellschaft e.V. Berlin (sie erinnern sich der schönen Parkanlagen um Bad Muskau, dem einstigen Wohnsitz von Fürst Pückler) eine glückliche Rettung. Die Schaugärten der ehemaligen Königlichen Gärtnerlehranstalt konnten nach zwei Jahren Bauzeit mit erheblichen Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie und der TU Berlin in ihre alte Pracht und Würde wiederversetzt werden.
Es ist vollbracht. Nicht nur der Botanische Garten, der Britzer Garten, der altehrwürdige Tiergarten, die Gärten der Welt in Marzahn-Hellersdorf sind Großstadtparadiese, so auch jetzt die wiederhergestellten Schaugärten in Berlin Dahlem. Sie alle machen Berlin zu einer der grünsten Großstädte der Welt.
Volkmar Schlutter

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.