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Hinweise zur Europawahl am 25. Mai 2014 – ein Beitrag zur politischen Bildung

Wir haben mal wieder Wahl zum europäischen Parlament, kurz Europawahl. Jeder hat die Wahl, entweder eine Partei zu wählen, nicht zur Wahl zu gehen oder, was als gutes demokratische Recht meist verschwiegen wird, ungültig zu wählen.

Wir empfehlen: Gehen Sie ungültig wählen! Malen Sie Gänseblümchen über alle Parteienkreise. Oder, wenn Sie über Talent verfügen: Malen Sie passend zur Jahreszeit und dazu ganz europäisch gedacht Botticellis Gemälde La Primavera oder, falls Sie weniger optimistisch veranlagt sind, Botticellis Zeichnung zu Dantes Inferno auf Ihren Wahlzettel.
Denn: Ungültig zu wählen ist besser als Nichtwählen, zeigen doch die Ungültigwähler eine ernste Wahrnehmung ihrer Interessen. Wenn über 50 % nicht zur Wahl gehen oder ungültig wählen, ist die Regierung dieser EURO-EU de facto abgesetzt und das Volk kann die Privilegienschnorrer, EURO-Retter und Sklaven der Kapitalismuslobby ganz demokratisch nach Hause schicken.

Und dafür gibt es mindestens drei gute Gründe:

  1. Die EURO-Rettung sorgt für Unfrieden in Europa. Mit vorgebeteter Alternativlosigkeit werden ganze Völker belogen.
  2. Die EU-Außenpolitik ist dilettantisch bis gefährlich und zum Teil mitverantwortlich für die Krise in der Ukraine.
  3. Die Geheimverhandlungen zum Freihandelsabkommen mit der USA sind antidemokratisch. Sollte dieses Abkommen verwirklicht werden, drohen private Sondergerichte, sogenannte Schiedsgerichte, außerhalb staatlicher Legitimation über das Wohl und Wehe der Bürger zu entscheiden.

Stellen wir uns vor, es ist Europa-Wahl und alle malen Botticelli

Ach, was vermisst man doch die vielen schönen alten Währungen… tschüss, mit einem wirklich europäisch gedachtem grüezie miteinand!
altergecko

Unsere Meinung, mal wieder perquisite:

Im Auftrag der politisch einseitigen, bekannt neoliberalen und ideologisch-kapitalistisch ausgerichteten Bertelsmann-Stiftung haben Soziologen der „Jacobs-University Bremen“ (Was für ein trauriger Name für eine Universität, da gibt’s den Kaffee wohl umsonst…Mit Jakobinern hat der Name sicher nichts am Hut!) jüngst eine Studie zum „Zusammenhalt in Deutschland“ veröffentlicht. Die Studie kommt kurz gesagt zu dem Ergebnis, dass der Zusammenhalt im Westen deutlich größer sei als im Osten. Das kann man dann auch oft wiederholt bei der Aktuellen Kamera des Kapitalismus hören und sehen.
Die Hauptkompetenz der mächtigen Bertelsmann-Stiftung ist ihre PR-Arbeit, was man mal wieder an der erfolgreichen Verbreitung der Studie in den Medien erleben durfte. Schauen wir doch mal rein in das Jacobs-Bertelsmännische Studierstübchen: da lesen wir auf S. 57 ein aufschlussreiches Resümee der Autoren:

Insgesamt lässt sich festhalten, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt innerhalb Deutschlands nicht von einer abstrakten Einkommensungleichheit gefährdet ist.

Hier verrät sich in geradezu propagandistisch anmutender Weise die oben bereits erwähnte neoliberal-kapitalistische Ausrichtung der Stiftung. Vermittelt werden soll, dass die zunehmende Einkommensungleichheit den Zusammenhalt der Menschen doch nicht gefährde. Da kann man nur sagen, selber denken ist zuweilen hilfreich. Weiter heißt es in der Studie auf S. 57:

Der hier vorgelegte Vergleich der Bundesländer zeigt, dass ‚ein paar Reiche‘ dem gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland nicht schaden, wohl aber eine nicht mehr zu vernachlässigende Zahl von Menschen, die arm oder von Armut bedroht sind.

Man mag kaum glauben, dass hier Wissenschaftler schreiben! Jedenfalls heißt das im Klartext: Seid schlau ihr reichen Pfeffersäcke, zu viele Arme darf es nicht geben! Stellt ein paar Suppenküchen auf und versorgt das Prekariat mit RTL II, dann wird’s schon nicht so schlimm, „ein paar Reiche“ werden akzeptiert, so droht schon kein revolutionärer Krawall im Vorgarten ihrer Villa. Weiter geht es in der Studie:

Relative Armut ist schlimmer als ausgeprägte Ungleichheit – konkrete Verbesserungen für sozial Schwache sollten der Gesellschaft folglich größeren Nutzen bringen als Maßnahmen, die sich allgemeiner gegen Ungleichheit richten.

Will heißen: Bloß keine politischen Maßnahmen gegen die Ungleichheit, wie z.B. durch eine höhere Besteuerung von Kapitaleinkünften oder großen Vermögen, nee, nee, so aber nicht bitte. Stellt lieber mehr Mindestlohn-Kindergärtner ein, das wird den Armen schon helfen. Und dazu vielleicht noch etwas mehr soziale Aufsicht für Brennpunktviertel.

Der Zusammenhalt ist laut geografischem Vergleich der Studie übrigens dort am größten, wo die meisten Steuerhinterzieher wohnen und die meisten CD-gestützten Selbstanzeigen wegen Steuerbetrug am Gemeinwesen auftauchen: In Hamburg, Baden Württemberg und Bayern.

Liebe Leute: Mächtige Einflussnehmer machen immer gerne soziologische Studien, um ihre politischen Ideologien durchzusetzen, das ist nicht neu. Seit skeptisch, bekämpft die Propaganda!

Es jrüßt mal wieder altergecko

Link zur Studie: http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-4E188A03-559EF24F/bst/xcms_bst_dms_39754_39755_2.pdf

Die Komplexität des Lebens stört nicht nur die Politik klassischer Diktaturen sondern auch kapitalistische Medien und überhaupt die kapitalistische Wirtschaft. Darum bemühen sich viele Einflussnehmer um Reduktion der Komplexität bis hin zur Propaganda. Komplexität sollte in einer Demokratie aber nicht reduziert werden, sondern sie sollte verstanden werden. Und ein solches Verständnis kostet Zeit.
Die aktuelle Ukraine-Krise ist ein gutes Beispiel für die simplifizierten Meldungen einer Aktuellen Kamera des Kapitalismus im Sinne westlicher Machtinteressen.
Die herausragende Russland-Kennerin und Journalistin Gabriele Krone-Schmalz widmet sich in einem Interview des Zapp-Magazins am 16.4.2014 im NDR diesem Thema. Anschauen und Zuhören lohnt sich: Interview zur Ukrainekrise und den Medien auf Zapp: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/media/zapp7411.html

8. April 2014

Der Europäische Gerichtshof erklärt die Richtlinie über die Vorratsspeicherung von Daten für ungültig!

 

Die von den meisten Politikern aus CSU, CDU und SPD gewünschte aber verfassungsfeindliche Vorratsdatenspeicherung ist zunächst vom Tisch. Nachdem bereits das Bundesverfassungsgericht Bedenken geäußert hatte, gibt es heute nun eine offizielle Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes, in der die Richtlinie zur verdachtslosen Vorratsspeicherung von Metadaten aus Telefon- und Internetverbindungen als Verstoß gegen EU-Recht erkannt wird, denn:

Sie beinhaltet einen Eingriff von großem Ausmaß und besonderer Schwere in die Grundrechte auf Achtung des Privatlebens und auf den Schutz personenbezogener Daten, der sich nicht auf das absolut Notwendige beschränkt.
Daher wird die EU-Richtlinie zur Vorratsspeicherung vom EuGH für ungültig erklärt. Somit kann die BRD diese Richtlinie zunächst nicht in ein nationales Gesetz umwandeln.

Die verdachtslose Vorratsdatenspeicherung nützt wenig im Kampf gegen den Terror, ist aber selbst ein Terrorangriff auf die Freiheit des Menschen. Das EuGH-Urteil gegen diese Vorratsdatenspeicherung ist aber nur ein Teilerfolg, da unter größerer Einschränkung eine solche Datenspeicherung gemäß EuGH als dienlich für das Gemeinwohl gesehen wird. Hier werden die Politiker versuchen neue Anläufe zu nehmen.

Presseerklärung des EuGH

Die Meinung – wie immer – perquisite!:
Derzeit ist die schöne Stadt Leipzig bis in kleinste Winkel plakatiert mit unansehnlichen Propaganda-Plakaten im nordkoreanischen Stil: Nein, es geht nicht um fat boy Kim Yon-ung aus Pjöngjang, nee, nee, plakatiert ist ’ne riesige BRD-Flagge übertitelt mit: „The American Way – Die USA in Deutschland“. Aber: Who the fucking bastard…? „The American Way“ – sprich völkerrechtswidriger Drohnenkrieg und Konzernkapitalismus, na geil. Oder soll da nochmal der Elvis als „The American Way“ aufgekocht und verkauft werden?

US-Propaganda

US-Propaganda (Bild: altergecko, Berlin)

Wenn man genau drauf schaut, da sieht man’s: Das Plakat wirbt kleingedruckt (links unten) für eine Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum zu Leipzig, betrieben von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Ein Ziel des Forums ist es, an „die Geschichte von politischer Repression“ zu erinnern. Nun, der neoliberale Kapitalismus ist eine Art diktatorischer Repression (Post- und Fernmeldegeheimnis sind bereits de facto abgeschafft), wobei die Daumenschrauben bei den Schwächeren angezogen werden. Ziel ist es, Verluste der Reichen auf Kosten der Armen zu sozialisieren, sprich Umverteilung nach oben zu betreiben, was toll funktioniert und seit Jahren betrieben wird. Das ist US-Kapitalismus, dessen größter Todfeind der Sozialstaat ist. Wird diese Repression hier dokumentiert? Das sollte noch geprüft werden. Die Gehirnwäsche zu dieser Repression übernimmt ja bereits die Aktuelle Kamera des Kapitalismus – egal ob öffentlich-rechtlich mit Börse vor acht oder privat.

Diese Plakate jedenfalls sehen wie Propaganda aus und laden nicht dazu ein, die Ausstellung zu besuchen. Der Eintritt ist übrigens frei, möglicherweise auch finanziert von Coca-Cola, Apple und Goldman Sachs (das weiß nur die NSA): Zeitgeschichtliches Forum zu Leipzig

Jrüße von altergecko

Hunde rufen zur Revolte auf!

„Wie jetze…? denkt der geneigte Berliner Leser. Man dachte doch, so ein Hund macht nur Arbeit, nervt gerne und viel – zumal wenn in der Pubertät und damit auf dem Trip, die Rudelführerschaft ein für alle mal zu seinen Gunsten klarzustellen. Zudem muss man die Hinterlassenschaften ebenso entsorgen wie das Gruselinsektenzeugs namens Zecke und Floh. Von den ganzen Kosten für Futter, Arzt oder Ärztin, Steuern usw. mal ganz abgesehen. Und rufen – das macht doch eigentlich nur der Dienstleistungssklave, manchmal vergeblich, vom anderen Ende der Leine. Selbst Loriots Hund konnte letztlich nicht wirklich sprechen, auch wenn 4 Jahre hartes Training investiert wurden. Weit gefehlt, Hunde können aufrufen – und zwar zum Protest! Das machen sie nicht nur im Rudel, wenn sich z.Bsp. ein Rüpel komplett daneben benimmt und ein souveränes Tier dazwischen geht, um mal kurz für „ordentliches Benehmen“ zu sorgen und gemobbte Tiere zu verteidigen.
Nein, die Hunde küssen obendrein das Revoluzer-Gen, längst verschollen geglaubtes Erbgut der 70er + 80er des vergangenen Jahrhunderts auch in ihren BesitzerInnen wach. LeserInnen der Kolumne wissen um das massive Controletti der Ordnungshüter im Viktoriapark. Angesichts der massiven Präsenz der Ordnungsmacht dort fragt man sich mittlerweile, ob es nur das gute Wetter ist, dass sie auf ihre Streifzüge in den Park treibt oder die Angst, sich der tatsächlichen Probleme in dieser Stadt anzunehmen. Und wundert sich über die eingesetzte Manpower, die andernorts als fehlend beklagt wird. Und zwar von ebendiesen Ordnungshütern.
Klar, ballspielende Hunde stellen eine echte Gefahr für das Allgemeinwohl dar, wohingegen Pädophile auf Kinderspielplätzen ein eher zu vernachlässigendes Problem sein dürften. Zumal könnten es Kollegen aus dem gleichen Amt sein. Wenn einem die Pension lieb ist, sollte man sich da natürlich nicht einmischen. Dann lieber mit 20 Mann auf einen Hund.
Dem Aufruf der Hunde folgend, hat ein Besitzer von 2 Hunden die zündende Idee gehabt und auch keine Kosten gescheut. Die ihm bekannte Hundebesitzer-Szene @Viktoriapark wurde mit Trillerpfeifen ausgestattet. Die haben es dankbar angenommen. Und mit Erfolg!
Sobald der Trillerton aus welcher Ecke des Parks auch immer erschallt, sind nur noch unschuldig rumschnuppernde angeleinte Hunde zu sehen. Mit ebenso unschuldig dreinblickenden BesitzerInnen, wie gewohnt am anderen Ende der Leine. Und die Ordnungsmacht kann in Ruhe ihren bezahlten Spaziergang im Sonnenschein machen, bevor es in die Kantine geht.

Unsere Meinung: perquisite!

Haben Sie auch gelesen: Peter Scholl-Latour zitiert im Tagesspiegel diese olle US-Diplomatentussie mit Fuck the EU! Ach, herrlich, vom Scholl-Latour hört man wenigsten keine verblödende US-EU-Propaganda, das ist angenehm, ein Lob dem alten Herrn des Journalismus, der mit 90 Jahren nicht reinfällt auf die primitive kapitalistische Propaganda vom sauberen Westen, die die Aktuelle Kamera des Kapitalismus täglich verbreitet.
Alt-Kettenraucher Schmidt, mit nun 95 auch so ein „dirty old man“, um den guten Bukowski mal unerwartet zu zitieren, sagt in seinem Heimatblatt „Die Zeit“ die EU-USA-Sanktionen gegen Russland seien schlicht „dummes Zeugs“. Recht hat er!
Putin, o.k., geschenkt, schwulenhassender Autokrat, paranoider Control-Freak von der Geheimdienstpenner-Sorte wie wir sie im Westen auch haben, von völkerrechtswidriger Natur. Deswegen nun Ausschluss aus dem G8. Doch bei dieser Beurteilung sollte die USA gleich auch einen Tritt in den Arsch bekommen und rausfliegen: genau: G6!  (die Rest-G-Länder kann man aber genauso in die Tonne treten).
Die USA handelt mit ihren Drohnenangriffen tödlicher und völkerrechtswidriger als derzeit Russland. Wenn die BRD nur den Mut hätte, die USA lautstark zu kritisieren, dabei das Völkerrecht zitierend. Aber, wir wissen nicht, ahnen höchstens, was die NSA über Merkel und Gauck weiß, warum beide vermutlich erpressbar und deswegen US-gefügig sind. Allein diese Möglichkeit verlangt den sofortigen Rücktritt von Merkel und Gauck.
Und jetzt soll die Ukraine-Krise genutzt werden, um die USA und EU zu einem kapitalistischen Block zu formen. Schon das geplante, antidemokratische Freihandelsabkommen (abgekürzt TTIP für Transatlantic Trade and Investment Partnership) ist eine üble, konzern-diktatorische Bedrohung, sonst würden die Verhandlungen der Bevölkerung gegenüber auch nicht so geheim gehalten. Jedenfalls geht es um Interessen der Konzerne, niemals bzw. höchstens vermeintlich aber um Interessen der Bevölkerung. Obama sagt klar, was die USA will: EU, kauft unser fucking – äh – fracking Gas.
Die Zeit stellte im Februar einen geheimen Entwurf zur TTIP-Verhandlung (47 Seiten) öffentlich. Auch die Grünen haben ein kleines Leak veröffentlicht: http://www.ttip-leak.eu/, das Einsichten in Absichten gibt.

Und die Großkotz-Koalition der BRD, was macht die? Als eiligstes Gesetz wurde beschlossen, dass sich Abgeordnete auf Kosten der Armen in feudaler Tebartz-Manier die Taschen vollstopfen können. Die Politiker rauben unkontrolliert das Volk aus!
Die paritätische Finanzierung der Krankenkassen wird in übelster Manier aufgegeben, nur noch der Versicherungsnehmer soll zukünftige Kostensteigerungen zahlen, mitgetragen von der kapitalistischen Zockerpartei SPD.
Freie Bürger, wacht auf, zieht in Massen vor den Reichstag! Holt Euch die Kohle von den Poltikern zurück!
Freie Bürger, die persönliche Freiheit jedes Einzelnen ist wichtiger als jede Staatsraison und jeder Konzern: Nehmt Eure Mistgabeln, unterläuft und zerstört Machtstrukturen und Privilegien!

Sonnige Jrüße von altergecko

Nun deep in the dark in den Viktoriapark hinein:

Na ja, es gibt ein Problem: Im Viktoriapark dürfen ja keine Hunde frei laufen – machen sie aber doch, aber alle sind in ständiger Alarmbereitschaft. Irgendwann kommt irgendwo her der gellende Schrei „Polizei“ und ruck-zuck sind alle Hunde an der Leine oder – wie die kleinen Drogendealer @Hasenheide – ganz schnell in den verwinkelten Ecken verschwunden. Heute fuhren gleich 2 Wagen der Polizei Streife dort – und dann kam ganz lahmarschig noch ein Wagen des Ordnungsamtes. Lahmarschig insoweit, als dass die Ordnungsamt-Mutti sich mit einer Bauwagenmutti aus dem Autofenster heraus über Hochzeitskleider unterhalten hat. Zudem laufen da auch Ordnungsamt-Leute Streife, also auch ohne Karre ist Controletti angesagt. 40,- € für jeden „gefangenen“ freilaufenden Hund. Soll Leute geben mit guter Connection, die per SMS eine Warnung kriegen. Dabei isses da so toll – und eine eigene Szene.
Man kennt gar nicht die Namen der Besitzer, weiß evtl. um das eine oder andere Gewerbe, das sie dort im Dreh betreiben, aber man kennt die Namen der Hunde: Der Mischling Socke, der Mops Erwin, und so weiter…. aber (!!) der Spaß ist dort nur kurz, denn sobald die Sonne richtig lacht, bevölkern tausend Menschen das Gras, nix mehr mit Bällchenwerfen und Hunde-Rumgehopse. Im Sommer gehört der Park den Menschen und dem von ihnen hinterlassenen Dreck. Wer dennoch in der Zeit seinen Hund dort frei rumlaufen lässt, erlebt Kondome und Tampons im Kackhaufen. Die schnelle Nummer im Sonnenuntergang, nur mal kurz den Stöpsel rausgenommen…

Hier noch ein Video-Link

Ich habe sie als Baby bekommen, sehe die Entwicklung, ihre Sensibilitäten, ihre Ängste (Müllwagen, bei Ostwind flatterndes Zeuchs, etc.pp.) demnächst wird sie irgendwann ihre Tage (= läufig) bekommen… man ist schon nahe dran an diesem Tier. Und es ist kein dummes Tier. Sie trickst, wo sie kann, denkt mit und hat einen 7. Sinn. Und – to make a long story short – sie ist meine Mitbewohnerin, die massiven Einfluß auf die Struktur meines Alltags hat. Sie diszipliniert mich durch Notwendigkeiten. Und ich habe auch etwas davon = Ich habe meine Scheuklappen Menschen gegenüber verloren. Ich habe so dermaßen viele und nette Menschen kennengelernt, die meinen Alltag erhellen. Durch ihre Geschichten, durch das mich erkennen und für gut befinden, durch das, was sie bereit sind mir zu erzählen.
Und ja, ich mag diese kleine Fellnase, die immer guckt, dass ich um spätestens 8 aufstehe. Sie ist drollig, verspielt, eigensinnig.., sie fordert mich. Und mein Herz platzt vor Stolz, wenn sie frei im Viktoriapark ist, umzingelt von vielen Hunden (ihre Denke = Hundis-da muss ich unbedingt hin!!!!) und auf einen Wink zu mir zurück kommt. Das sind Lernerfolge, die wir haben, die kannst Du natürlich nicht teilen, da Katzenmensch. Aber erst nach ca. 2 Jahren ist man durch mit dem Lernerfolg, man muss dranbleiben. Und ja, ich gebe mir Mühe, was die Ernährung des „Köters“ angeht. Möchtest Du nur Scheiße fressen? Nee, wenn schon Verantwortung übernommen, dann richtig. Nix mit Trocken- oder Dosenfutter. Wenn ich Hund oder Katze wäre würde mich das doch auch nur ankotzen. Die können halt nix sagen… aber es macht sich bemerkbar, wie man sie füttert. Im Kot, in der Haut- und Haarstruktur, im allgemeinen Wohlbefinden. To make a long story short – ich mache mir jetzt ein Kalbsgoulasch! Habe mir eh zuviel Zeit auffem Internet geleistet….

Anmerkung des „Katzenmenschen“: Die Hundehalterin lebt in Berlin-Kreuzberg (61) und hat die hohe literarische Quersumme 63

Tagung zu Johann Gottlieb Fichte in Berlin

Ein Beitrag von Volkmar Schlutter

Der 200. Todestag von Johann Gottlieb Fichte war nur der Anlass. Der Grund für die 3-tägige Tagung war das immer noch große Interesse an Fichtes Philosophie, und das nicht nur wegen seiner provokanten Weltsicht. Veranstaltet wurde sie vom Lehrstuhl für Klassische Deutsche Philosophie der Humboldt Universität zu Berlin und der Internationalen Fichte-Gesellschaft.
Die Tagung „Mit Fichte philosophieren“ war lehrreich, überraschend interessant und sogar amüsant, so mit den einst unterhaltsamen Ausführungen einer nicht unumstrittenen Bettina von Arnim über Fichte. Ähnlich war es auch bemerkenswert, dass es sogar Studenten gibt, die ausschließlich die deutschen Idealisten studieren.
Die Kernaussage von Fichte, die Freiheit selbst zu denken sei das Hauptwesen des Menschen, wurde wiederholt als Aufforderung interpretiert, dass man sich freimachen soll, frei von vorgegebenen Denken, Vorurteilen und vorgegebenen Auffassungen. In „Ein neuer Sinn zu entwickeln. Fichtes letztes Vermächtnis“ wurde zu einem ständigem ’sich losreißen‘ als eine sich selbstaufzuerlegende Pflicht aufgefordert.
Das hat einen hochaktuellen Bezug. Denn wie gelangt man zur Freiheit, wo wir doch heute in einer neuen Art und Weise immer unfreier werden, weil wir in immer größerem Maße, oft unbewusst, von Medien, Macht, Ordnung und Konsum manipuliert werden. Schlimmer noch: Wir werden in einer Art manipuliert, dass es uns gar nicht bewusst wird, wie wir in das bestehende gesellschaftliche System einverleibt werden. Selbst die Professoren, die Fichte lehren, sehen das überwiegend pessimistisch, weil wir davon entfernt sind, Freiheit leben zu können.
Für Fichte ist Philosophie generell ‚Wissenschaftslehre‘. Diese ist die Wissenschaft vom Wissen und ist eine Theorie der Vermittlung. Und Fichte ist ein Denker der Perspektive. Weise spricht er: Der normale Mensch gleicht einem Blinden, der nicht versteht oder missversteht. Erst die Praxis des Denkens verwandelt den normalen Menschen, denn das Denken ist die Quelle allen Seins. Geistiges Auge – treffender ist es kaum zu sagen.
Auch waren viele Hinweise zur französischen Revolution und ihrer Wertung in Deutschland interessant. Noch heute rechnet man Fichtes mutiges Bekenntnis zur Französischen Revolution ihm hoch an. Denn andere hatten sich da raus gehalten oder waren dazu zu feige. Keineswegs übertrieben interpretiert: Fichtes Gott ist eine revolutionäre Praxis.
Auf der Tagung wurde kein Hehl gemacht, dass Fichte in einigen Dingen recht umstritten ist. Denn so schätzte er einerseits die Französische Revolution, hält dann aber wiederum patriotische Reden an die deutsche Nation und stellt sich sogar in den deutsch-französischen Kriegen klar auf die Seite der deutschen Nationalisten. Zum Verständnis und seiner Rettung muss bemerkt werden, dass zur damaligen Zeit Freiheitsliebe, Emanzipationsstreben und Nationalismus viel enger zusammen gehörten als heute.
In einer Festsitzung wurde Fichtes Wirken heute gebührend gewürdigt. Anschließend gab es im ehrwürdigen Hegelzimmer im alten Hauptgebäude der Universität unter den Linden ein Empfang. Nahe Hegels originalem Schreibtisch wurde mit edlem Wein aus der sogenannten Hegelflasche Fichte gewürdigt. Denn wo hätte es sonst geschehen können? Auch wenn Hegel bekannter und erfolgreicher wurde, hätte es ein Hegel ohne Fichte nie gegeben. Fichtes Philosophie macht es uns ja nicht einfach. Denn einiges ist bei ihm unschlüssig und unausgereift. Während für ihn klar das Sein Aktivität und Agilität bedeutet, macht er jedoch um sein ‚Absolutes‘ ein großes Geheimnis. So kann eine Fichte-Tagung nicht viel anders werden als seine Philosophie. Deswegen waren hier mutige Interpretationen von Nöten. So wurde ein Tenor der Tagung, dass es sich beim ‚Absoluten‘ nur um die Vernunft handeln könne.
Es ist generell positiv zu werten: Man hat wieder drüber gesprochen und weiß die eigenwillige, ja fast radikale Weltsicht Fichtes zu schätzen. Eben das gerade in der heutigen Welt, die immer hinterlistiger, verführerischer und undurchschaubarer wird. Und zumal zunehmend mit Unausgesprochenem operiert. Alles in allem: Gelungene und weise Stunden der Philosophie.

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