Archiv für die Kategorie 'Glossen'

… so heißt der Titel des Gedichts von Theodor Fontane (1858), dessen letzte Strophe lautet:

Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Herr,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
E i n e r kam heim aus Afghanistan.

Fontane bezieht sich hier auf die Engländer, die schon im 19. Jahrhundert die Stammesregion am Hindukusch beherrschen wollten und dort schmählich krepierten. Viel später, wir erinnern uns gut, haben die Russen hier eine ebenso schmähliche und noch tödlichere Niederlage einstecken müssen. Tja, und dabei haben die USA die antirussischen Freischärler, die Mudschahidin, mächtig aufgerüstet, eben jene, die bald darauf ihre eigenen Gegner wurden.

Frage: Was soll die Bundeswehr heute dort? Antwort: Anstatt höchst naive Illusionen (Stichwort: Schulen und Brunnen) zu bedienen, sollte sie schnellstmöglich wieder abziehen - Fontanes Gedicht dabei rezitierend, ja, laut singend. Fachleute haben seit vielen Jahren gewarnt.

von Altergecko

Frau Schnapp im Wunderland

Frau Schnapp hat mir heute eine Email geschickt. Frau Schnapp ist Teamleiterin der Abteilung Training und Kommunikation, lebt in einer wohlhabenden westdeutschen Stadt, hat einen Job mit Narrenfreiheit, wo Ergebnisse und Effizienz nicht messbar sind. Hauptsache die Kommunikationsblasen schillern wie Seifenblasen. Das erscheint dem ostdeutschen unterbezahlten Arbeitnehmer wie das Wunderland, und Frau Schnapp wandelt darin selbstvergessen und sehr gewichtig.

Nun zum Wunderwerk des elektronischen Schriftverkehrs: Den ganzen Beitrag lesen »

Neulich Nachrichten im Radio…

Manchmal, wenn ich müde oder wenn ich faul bin, dann lege ich mich hin und schalte das Radio neben dem Sofa ein, und nach einer gewissen Zeit, meist spätestens nach einer halben Stunde, kommen wieder Nachrichten, so auch neulich, und die begannen mit: KÖLN - gefolgt von einer kleinen Pause.

In dieser kleinen, ja kaum 2 Sekunden langen Pause, vervollständigte ich in Gedanken den Satz des Nachrichtensprechers:

(KÖLN)- Arbeitgeberpräsident Schleyer wurde von einem Kommande der RAF brutal entführt, es kam zu einem Schusswechsel, wobei…ach je, das ist aber lange her.

Da tauchte urplötzlich eine zweite Erinnerung auf:

(KÖLN) - Das Stadtarchiv Köln, eines der größten kommunalen Archive der Welt, stürzte ein und versank in einem Krater… Ursache U-Bahn-Bau…ach je, letztes Jahr, …schlimm, schlimm…

…und nun wurde ich gewissermaßen unterbrochen: Der Nachrichtensprecher räusperte sich kurz und:

(KÖLN) - Die Lufthansamaschine mit den 3 Särgen der gefallenen Bundeswehrsoldaten aus Kunduz ist gelandet.

Frage: Können aus Köln gute Nachrichten kommen? Der Geißbock-FC hat gegen die icke-trötende Hertha verbockt und Karneval in Kölle ist allen Ernstes noch nie eine gute Nachricht gewesen.

von Altergecko

Wir wissens ja:  Politiker,  Manager und die Glamourgurken aus der Medienwelt sind nicht selten Erziehungsprodukte teurer Privatschulen, darunter Katholeninternate, Feuchtbiotope unter der Herrschaft der Jesuitenpadres, etwa das inzwischen so berühmte Canisius-Kolleg in Berlin, das Aloisiuskolleg in Bonn, St. Blasien u.s.w. Und St. Blasien hört sich ja schon ganz gut an. Nomen est omen…

Derzeit rauschts im Blätterwald und manch alter Pater im Ruhestand kommt nochmal mächtig ins Schwitzen, als Vorgefühl fürs verdiente Fegefeuer. “Jedem Tierchen sein Plaisirchen” als Erziehungsmotto notgeiler Pfaffen…

Erzogen in Hockstellung und zum Kriechen sind das rektale Fiebermessen und Beichten den Elitekids nicht gut bekommen - und dem Land wohl auch nicht: Politik im Klientelarsch, Finanzen eh im Arsch und Medienverarschung auf allen Kanälen.

Und die Moral von der Geschicht? Schick den Bub zum Jesuiten nicht!

Altergecko

Neofeudale Verhältnisse: Nach den Banken nun Mehrwertsteuersenkung für Hotels

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist denn korrupt im Land?” Man stelle sich Frau Merkel haarekämmend und fragenstellend vor dem Spiegel vor. Der Spiegel mag wohl antworten: „Schau dort, ins Bayernland”. Tja, Bayern liegt im Süden, viel näher dran an Süditalien als die zivilisierten Regionen im Norden. Das ist bekannt. Also, Lieber Herr Carstensen, zeigen Sie der Regierung der Bananenrepublik Deutschland und der bayrisch-christlich-liberalen-sizilianischen Bruderschaft mal eine echt norddeutsche Kante! Denn jetzt sind Wikinger gefragt!
Die Bananenregierung unter Einfluss der FDP plündert die Taschen des Volkes zugunsten von Bankstern und Luxushotels, tolldreiste Zustände sind das.
Dann noch sowas: Eine 32-jährige macht Praktikum im Familienministerium… Da fehlen nur noch selbstverliebte Funktionsträger wie Fr. Schavan, die reden und talken und reden (am liebsten von Elite, doch wer is det) und fahren ne prima lange Bildungstradition sinnlos und teuer gegen eine Wand in einer Tiefgarage in Bologna. Tja Elite, wo ist sie nur? Da sei angemerkt: Elite wird buchstabiert wie Canaille, beedet mit e am Ende.  Und auf den Regierungsbänken balgen sich jede Menge auf wundcremebedürftigen Hintern sitzende, feudal aufgeblasene Privilegienträger, die Ihren kapitalen Kumpels (von früher, wa) des Volkes Kohle zuschachern.
Uff`n Linden hör ick schon Raunen: „Bürger, bewaffnet Euch mit spitzen Mistgabeln, macht Euch bereit zum Sturm auf die berliner Bastille! Entmachtet die Canaille, die Euch die Taschen leerrräumt!”  Wenn der jemeine berliner Prolet det denn auch mal hören täte…jenau, und würde auch det alte Paris zum Vorbild nehmen - dann aber!

Euer Altergecko

Auch dieses Jahr war ich wieder auf der Buchmesse zu Frankfurt, obwohl die Anfahrt und das Parkplatzfinden in den schattigen Schluchten der Ackermannpaläste zuweilen mühselig sein kann.

Aber, nicht nur weil ich kostenlos reinkomme, geh ich gern hin. Und dieses Jahr auch nicht wegen des Messeschwerpunkts zu chinesischer Literatur, die mich janz und janischt interessiert, bei allem Respekt vor der großen Schlitzäugigkeit (grr). Zum Glück gibt es nicht nur chinesische Literatur, nun, es könnte ja noch so kommen, rein statistisch, demografisch und prognostisch gesehen.

Eigentlich gibt es von der Frankfurter Buchmesse nix wirklich Interessantes zu berichten. Vielleicht eine kleine Beobachtung am Rande: Neben der 6 Meter hohen Frittenbude im großen Innenhof der Messe stand ein 2,50 Meter hohes, blaues Brockhaus-Lexikon mit Werbung für die zuständige Standnummer in Halle 3, vom B-Konzern. (links im Bild: Frittenbude, blauer Punkt in der Mitte: Brockhaus, Hintergrund rechts: Messeturm)

Brockhaus 2009

Brockhaus 2009

Wars ein ironischer Verweis, der letzte Stich für Mr. Mohn? Als ich im großen Hof das gewissermaßen auf einem Bein rumstehende Lexikon im Schatten der Frittenbude sah, dachte ich, da war doch früher mal was anderes?  Ach ja, vor 2 Jahren standen an gleicher Stelle gleich 30 Lexika, riesenhaft aufgeblasen wie überdehntes Gummie und von einem Pressemann der damals zuständigen Traditionsverlags-AG zähnefletschend und theatralisch mit Vorhang auf und Bühne frei! präsentiert. Und dafür wurde jemand medienwirksames engagiert: Ein alterwürdiger Mime aus Film und TV, Klaus Müller von Arnim oder so ähnlich, wie stets in feinstes, dunkelgraues Zwirn (doch ohne Einstecktuch) gehüllt, hatte für die 30 Bände Wissen aus aller Welt sein zweites Talent, im fortgeschrittenen Alter entwickelt, das Malen und Zeichnen, das hier und da bereits im Rundfunk lobend erwähnt wurde, zur Verfügung gestellt. Motto des Künstlers: Menschheitszirkus! Das war passend gewählt und das Zirkuspublikum tat kräftig applaudieren. Nun, der Vorhang ist gefallen, ein paar Clowns aus dieser Vorstellung machen weiter, auf kleinerer Bühne.

Was gabs noch? Natürlich wieder Trikont, die haben wirklich schöne Musik, also noch 2 CDs mit finnischem Tango erworben.

Mit dem Parkplatz hatte es übrigens doch noch so gut geklappt, dass mein Kumpel und ich nach Messeschluss janz fix wieder auf Frankfurts Route 66 waren, allen Staus entfliehen und Richtung Osten, auf A5 und A4, leicht davonziehen konnten.

Von Altergecko

Wüste Zeiten sind das ja, da stürzen, stolpern und verheben sich die Führungskräfte der Konzerne auf Deutschlands globalisierten Schlaglochpisten. Wiedekinder, Schefflers, diverse sonstige Konzernmanager und ein paar Bankster zeigen sich als Bedürftige mit ganz speziellem HARZ-Anspruch, nennen wir es der Größenordnung wegen HARZ-10hoch9, damit sie nicht ins finanzielle und soziale Abseits rauschen. Tja, man kann ja auch nicht jedem zumuten: “Mach es doch einfach wie der Chef von Ratiopharm”, denn -, nicht jeder hat die Kraft dazu. Weil soviel strauchelnder und stolpernder Managerpöbel aber die Umgebung gefährdet, plädiere ich für die Einführung einer Rollatorpflicht für Führungskräfte. Zur Anschaffung genügender Rollatoren könnte die Mehrwertsteuer auf 25% erhöht werden. Das würde sicher reichen, um jeder Führungskraft ein individuell ausgestattetes Exemplar zu fertigen, beispielsweise mit einem GPS, um auf den Pfad der Tugend zurückzufinden. Bei Frau Scheffler könnte das Körbchen vor dem Griff eine regensichere Abdeckung bekommen, damit die Pelze nicht nass werden. Herr Wiedeking bekommt noch einen Geräuschsimulator hineininstalliert, dann peest und brummt sein Rollator auch wie ein echter Porsche.

Von Altergecko (der unbedingt in die Politik gehen sollte)

Zehn kleine MdBs
zogen auf dem Reichstagsklo ‘ne  Line
Schneefall bis zum Übermut
da waren`s nur noch neun

Neun kleine MdBs
haben über Bürgers Recht gelacht
ein Bürger zog in Wut den Colt
da waren`s nur noch acht

Acht kleine MdBs
wollten per Raster Terroristen sieben
der einzig echte hatte Dynamit
da waren`s nur noch sieben

Sieben kleine MdBs
hatten auf dem Reichstagsklo in Gruppe Sex
da wurde eines eifersüchtig
und da waren`s nur noch sechs

Sechs kleine MdBs
litten arg bei so viel Schimpf
eines wurde depressiv
da waren`s nur noch fünf

Fünf kleine MdBs
hatten unersättlich Gier
das eine trieb`s in Insolvenz
da waren`s  nur noch vier

Vier kleine MdBs
waren trotz Diäten Aufsichtsrat so nebenbei
von Strom-AG und Mafia
da waren`s irgendwann noch drei

Drei kleine MdBs
wurden traurig - weil jetze nur noch drei
eines machte Suizid
da waren`s nur noch zwei

Zwei kleine MdBs
wollten mal ehrlich und nicht zynisch sein
das Volk nur tat`s nicht glauben wollen
da war das Letzte bald allein

Das letzte kleine MdB
wollte dennoch Wiederwahl und der Diäten mehr und mehr
nun wurd das Volk so richtig bös
da war der Reichstag endlich leer.

… man könnte ja noch mal von vorn: 10 kleine XY*

*XY = Variable für eine Ansammlung selbstgefühlter Elite

von Altergecko

Viele unserer zeitgenössischen web2.0-Lemminge sind bei xing, facebook, linkedin oder wie diese Portale weiter noch heißen in kleinen Selbstdarstellungsprofilen gelistet, wie Sonderangebote in kostenlosen Anzeigenblättchen… Das möchte-was-werden-Prekariat unserer Zeit auf öffentlicher Suche nach Anerkennung, Jobs und Freunden im Sinne eines networkings, will heißen, Freunde, die auch karrierefördernd wirken sollen. Dabei ists kaum mehr als ein klebriges Spinnennetz, wo jeder Fliegendreck als sogenannter Kontakt hängen bleibt.

Sie stellen Bildchen von sich rein, formloses Grinsen aus blassen Gesichtern über vertretertauglichen Krawatten und die Damen in Kostümen, wie man sie leider zu genüge schon auf Buchmessen und an Bankschaltern gesehen hat. Wirklich findet man dort keinen, den man auch nur irgendwie persönlich näher kennenlernen wollte.

Unter diesen unsäglichen Fotos (zuweilen auch in künstlerisch-bedeutungsschwangeren s/w-Ansichten gehalten) kann man herrlich kindische Lebensläufe lesen, von der Schulzeit über beknackteste Praktikantenstellen bis hin zum aktuellen Geschäftsführungs- oder Projektleitungs-, na, jedenfalls Irgendeinleitungsposten, alles in hübsch chronologischer Folge dargeboten. Mann/Frau buhlt for buisiness…xing unterscheidet sie noch in gut zahlende Premium-Mitglieder und einen billigen Rest.

Das erinnert an die öffentliche Marktschau von nutzbaren Arbeitskräften, wie sie schon bei den Römern und bis weit in das 19. Jh. hinein auch in den Südstaaten üblich war, seht her: Gebiss fest, Bizeps stramm und Schwielen dick. Zugegeben, da wars weniger freiwillig, aber genau deswegen wiegt diese Art eines öffentlich auf eigenen Wunsch präsentierten Marktwertes um so kläglicher, zumal es nur ätzende Fantasielosigkeit beweist, sich auf vorbereiteten, primitiv gestalteten Portalen unter Tausenden listen zu lassen - in der kümmerlichen Hoffnung auf Karriere… widderlich! Ich bleibe xingophob.

von Altergecko

Berater beraten gerne Unternehmen bzw. deren sogenannte Führungskräfte. Da gibt es bekannte und weniger bekannte Berater. Herr Malik ist ein Berater aus der Schweiz (eigentl. ein Österreicher), der methodisch eine Art “Managementkybernetik” vertritt, um sich in der ach so komplexen Welt zurechtfinden zu können. Bei seinen Konzepten wird gerne auf Kieselalgen und Ikosaeder als Vorbilder verwiesen, nun ja, jedem das was er für richtig hält. Zuweilen tritt der gläubige Kybernetiker sogar in der Maske eines Kapitalismuskritikers auf.

Herr Malik publiziert auch viele Kolumnen (und viele Bücher, u.a. über Führen und Leiten), leicht zu googeln unter Malik und Kolumne. Eine davon (tatsächlich nicht nur eine) ist ein sprachliches Prachtexemplar und betrifft die Müllentsorgung in Unternehmen - nein, es geht nicht um Mülltrennung, ich weiß um Ihren Ärger, etwa wenn Ihr Vorgesetzter mal wieder ne leere Flasche Schampus in die Biotonne geworfen hat - nein, lesen Sie selbst ein paar Auszüge: So schreibt Malik im Januar 2007 unter dem schönen Titel: “Systematische Müllentsorgung - Der schnellste Weg zur Effektivität” beispielsweise: Die Effektivität von Führungskräften resultiert unter anderem daraus, sich systematisch von angestautem “Müll” zu trennen. Jede Organisation braucht einen Prozess des Ausmerzens von Veraltetem, Überkommenem und Überflüssigem. [...] Die jährlichen Zielvereinbarungen dürfen nicht mit der Überlegung beginnen, was zu tun ist. Zuvor muss eine “Müll”-Liste verlangt werden [...] Vielleicht kann man nicht alles, was auf den “Müll”-Listen steht, zur Gänze aufgeben. Vielleicht heißt die Lösung manchmal “outsourcen”, oder “refokussieren”.

Am Ende seiner Kolumne preist Malik die “Entschlackung und Selbsthygiene” als “Grundprinzip der belebten Natur” an. (Herr Malik liebt die Natur, ist auch Bergsteiger, daher vermutlich körperlich gesund und topfit, ob er blaue Augen hat, ich weiß es nicht)

Es ist wohl gut, ja, eine allzu banale Weisheit, wenn man hin und wieder den Müll rausbringt. Nur, was verbirgt sich hinter dieser “Müll-Liste”? Einen Hinweis findet man hinter den Begriffen “outsourcen” und “refokussieren”, das ist nicht nur Managerdeutsch, solche Maßnahmen werden nicht selten von einer Reduzierung der Belegschaft begleitet. Was dann der Müll sein soll, mag man sich denken… zu hohe Managergehälter sind damit wohl nicht vorrangig gemeint.

Überhaupt die Sprache:  “Ausmerzen von Überalteten”, “Müll-Listen”, “Selbsthygiene” und ach, die gute “Natur”. Nix anderes als hübsch sozialdarwinistische Lernbegriffe für kontrollverknallte, sogenannte oder selbsternannte Führungskräfte, meine ich. Und damit festgestellt werden kann, was Müll ist, muss erstmal alles bzw. alle kontrolliert werden. Am besten lernt man gleich von der Stasi, wie etwa die netten Unternehmen Telekom, Deutsche Bahn oder Lidl: Emails auslesen, Telefonate abhören, Videoüberwachung in Umkleideräumen und dann, tja dann geht’s an das Erstellen von Müll-Listen. (Dafür nehmen sie dann gerne Excel).

von Altergecko

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