3. Oktober 2011
Das Leben ist zuweilen sehr ungerecht! Der heute frisch gekürte Nobelpreisträger für Medizin Ralph Steinman ist bereits vor 3 Tagen gestorben. Sicher hätte sich Steinman sehr gefreut - nun vielleicht bekommt er einmal eine Art Retro-Nobelpreis.

Stockholm und Harvard, 29. September 2011

Vor Bekanntgabe der großen und offiziellen Nobelpreise wurden jüngst die Preisträger des Alternativen Nobelpreises - der Right Livelihood Award 2011 - und die des etwas durchgeknallten 21. IG-Nobelpreises bekanntgegeben!

Die Termine der Bekanntgabe der Nobelpreise 2011 stehen fest: siehe unter Nobelpreislexikon…

Ein Artikel von Ansgar Bach
für Roald Hoffmann zum 74. Geburtstag

Wer ist, oder, wer war Bernard Katz? Sehr viele Leipziger werden den großen Sohn ihrer Stadt, der 1970 mit dem Nobelpreis für Physiologie und Medizin ausgezeichnet wurde, nicht kennen. Selbst am Universitätsklinikum in der Liebigstraße weiß kaum mehr einer, wo das eigentlich schwer übersehbare Denkmal zu Ehren von Katz steht. Es wurde von dem Bildhauer Markus Gläser geschaffen und im Jahr 2000 im Patientengarten errichtet. Hat Leipzig den 100. Geburtstag von Sir Bernard Katz am 26. März 2011 vergessen? Jedenfalls nahm ich weder in der Tagespresse noch im Rundfunk einen Beitrag dazu wahr. Dabei ist Katz, wenn nicht der einzige, so doch einer der ganz wenigen in Leipzig geborenen Nobelpreisträger, und in Leipzig beginnt seine wissenschaftliche Laufbahn, hier werden seine Forschungen sogar erstmals mit einem Preis ausgezeichnet.

Denkmal für Bernrad Katz im Garten am Bettenhaus Liebigstraße

Denkmal für Sir Bernard Katz im Garten am Bettenhaus Liebigstraße

Bernard Katz hat mit seinen Forschungsergebnissen als Wissenschaftler, er war Neurophysiologe und Biophysiker, ganz entscheidend zum Verstandnis der Funktion unseres Nervensystems beigetragen. Dafür wurde er 1970 zusammen mit Julius Axelrod und Ulf von Euler-Chelpin mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Katz starb am 20. April 2003 in London, wo er die meiste Zeit seit 1935 lebte.

Titel der Denkmal-Inschrift

Titel der Denkmal-Inschrift

Bernard Katz als Schüler und Student in Leipzig

Auf salopp mit „Eine autobiographische Skizze” betitelten 23 Seiten berichtet uns Katz über seine Zeit in Leipzig. Diese Skizze erzählt seine Geschichte als Schüler, Student und junger Forscher in der Stadt Leipzig im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.

Katz ist Kind einer jüdischen Familie aus Russland. Sein Vater Max Katz, ein Pelzhändler, einst in Mogilew (heute: Mahiljou in Weißrussland) am Fluss Dnjepr aufgewachsen, siedelt 1904  - eine Zeit unsicherer Verhältnisse mit antijüdischen Pogromen, dazu kommt der Beginn des russisch-japanischen Krieges - nach Leipzig über. Leipzig war als international führendes Zentrum im Pelzhandel für den Vater und seine Geschäfte sehr attraktiv. Max Katz führt sein Pelzhandelsgeschäft in der Nikolaistr. 31 (heute: Nachfolgebau). Er heiratet Eugenie Rabinowitz, sie wohnen in der damaligen König-Johann-Str. 13, heute Tschaikowskistraße (Waldstraßenviertel). Die Familie behält die russisch-zaristische Staatsbürgerschaft. Somit kommt Sohn Bernard 1911 als „Untertan des russischen Zaren” in Leipzig zur Welt. Bernard Katz ist also echter Leipziger, er hat aber nie die deutsche Staatsbürgerschaft besessen. Durch die Oktoberrevolution 1917 wurden die Familienmitglieder plötzlich staatenlos. (1941 wird Bernard Katz in Australien die englische Staatsbürgerschaft erhalten.)
Obwohl der neunjährige Bernard die Aufnahmeprüfung am renommierten Schiller-Realgymnasium in Leipzig-Gohlis mit hervorragenden Noten besteht, wird er abgelehnt. Ein Bekannter berichtete ihm später, dass es nach Auffassung des Direktors dem Ruf der Schule nur abträglich sein [könne], wenn der neue Jahrgang in puncto Leistung von einem russischen Juden angeführt werde. Ohne Probleme kann Bernard Katz jedoch anschließend auf das humanistisch ausgerichtete König-Albert-Gymnasium (zerst. 1943) wechseln, damals in der Parthenstraße 1, Leipzig-Nord. Diese Schule war leicht zu Fuß zu erreichen und Katz erinnert sich: Ich faßte eine Zuneigung zu dieser Schule und denke noch heute mit Dankbarkeit und Sympathie an so manchen meiner alten Lehrer zurück. Von den Lehrern am König-Albert-Gymnasium schätzt er besonders die Sprachenlehrer Hans Leisegang und Hans Lamer. Er [Leisegang] hielt uns dazu an, Wörter und Sätze mit Hochachtung zu behandeln und uns - besonders in schriftlichen Äußerungen - einer glasklaren Sprache zu befleißigen. [...] ungeachtet seiner ultrakonservativen politischen Einstellung vermittelte uns Leisegang einen tiefen Einblick in die Entwicklung der deutschen Literatur und Philosophie - von den idealistischen und romantischen Bewegungen bis hin zum dialektischen Materialismus und der Psychoanalyse, und er tat dies in sehr ausgewogener, ja beinahe objektiver Manier. Wegen seiner ausgezeichnetetn Noten kann Katz ein Schuljahr überspringen und schon nach 8 Jahren, 1929, das Abitur ablegen. Der Gymnasiast entdeckt für sich in Leipzig das Theater und die Oper, mit besonderer Vorliebe für die wagnerischen Musikdramen. Dazu entwickelt sich über seinen Freund, Mitschüler und Schachturnierspieler Hans Wydra ein besonderes Vergnügen am Schachspiel: Ich [...] suchte nachmittags meistens eines der Leipziger Cafés auf, in denen die Schachspieler sich trafen.

Der Gymnasiast registriert sehr genau den wachsenden Antisemitismus in Deutschland: Ich habe niemals den Schock der Ermordung Walter Rathenaus verwunden, des jüdischen Außenministers, der im Sommer 1922 von antisemitischen Jugendlichen ermordet wurde. Der Prozess fand damals am Reichsgericht in Leipzig statt (der Schriftsteller Joseph Roth, damals in Leipzig, schrieb darüber, vgl. das Buch Literarisches Leipzig). Aus dieser Zeit bleibt Katz auch ein Mitschüler mit dem Namen Rocca besonders unangenehm im Gedächtnis. Dieser Rocca verbreitete das bösartige Gerücht, dass es für eine damals unterirdisch unter dem Markt angelegte Messehalle den Plan gäbe, dass dort die jüdischen Bürger Leipzigs versammelt und „durch eingeleitetes Gas” getötet werden sollen. Katz sagt dazu: Ich erzähle diese Episode hier, weil sie sich meinem Gedächtnis unauslöschlich eingeprägt hat und schon einen Vorgeschmack jener Ideen lieferte, die in den Köpfen mancher Leute rumorten, bevor sie sie zwanzig Jahre später dann tatsächlich in die Praxis umsetzen konnten.

Im April 1929 nimmt Bernard Katz an der Universität Leipzig das Studium der Medizin auf. Wie schon zuvor am König-Albert-Gymnasium sind es auch an der Leipziger Universität bestimmte, hervorragende Lehrerpersönlickeiten, die Katz’ Leben bereichern, ihn motivieren und ihn für die Wissenschaft begeistern. Anfangs war es ein sehr beeindruckender Vortrag Professor Victor von Weizsäckers [einem Onkel des späteren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker] über die sozialen Auswirkungen der Fortschritte der Medizin, die Katz zum Erlernen des Arztberufes bewegten. Der Absolvent eines humanistischen Gymnasiums hatte eine vergleichsweise geringe naturwissenschaftliche Vorbildung, er musste nun die Vorlesungen in Botanik, Zoologie, Chemie, und Physik besuchen. Er hat das große Glück die Physik in Leipzig bei Peter Debye [Nobelpreis für Chemie 1936, ab 1940 Cornell-University in Ithaca, NY, USA] zu hören: Seine von Demonstrations-Experimenten begleitete Vorlesung fand allmorgendlich zwischen acht und neun statt. Debye war nicht nur ein großer Wissenschaftler, sondern auch ein begnadeter „Show-Mann”, dem seine Vorlesungen sichtlich Spaß machten. Er hatte eine wunderbare Begabung, Fakten, Ideen und Theorien aufs unterhaltsamste und einprägsamste zu präsentieren. Andere Gelehrte in Leipzig, wie die Medizinhistoriker Henry Sigerist [später an der John-Hopkins-Universität, Baltimore, USA] und Owsei Temkin [folgte Sigerist an die JHU nach Baltimore] weckten in Katz das Interesse für Medizingeschichte. Das Institut für Medizingeschichte [heute: Karl-Sudhoff-Institut, Käthe-Kollwitz-Str. 82] war der Treffpunkt der kultiviertesten unter den Medizinstudenten, dort diskutierten sie über die unterschiedlichsten „medizinischen, historischen und sogar literarischen Themen. Dem Studenten Katz wurde plötzlich die Kraft und Tiefe der großen wissenschaftlichen Entdeckungen bewußt. Katz entwickelt nun auch einen Widerwillen gegen das mir früher so teure, anmaßende philosophische „Spekulantentum“. Lieber  beschäftigte er sich mit den Vorlesungen des großen Physikers Helmholtz [Hermann v. Helmholtz 1821-1894], auch in Katz’ Augen einer der größten experimentellen Wisenwschaftler aller Zeiten, der sich klar gegen Deutschlands romantisches Naturphilosophentum wandte.

Katz und Hund

Bei einem Sommerurlaub zu Anfang der 30iger Jahre an der Ostsee lernt Katz den Leipziger Professor und Physiker Friedrich Hund [Naturwissenschaftler kennen die „Hundsche Regel", Hund war 1929-1946 an der Universität Leipzig, später in Göttingen, wo er 1997 starb] kennen. Beide stellen sich feierlich mit „Katz - Hund” vor, was unter den Studenten allgemeine Heiterkeit auslöste.

Der Student Katz ist sehr fleißig. So berichtet er, dass er sich in dieser Zeit in Leipzig als Wissenschaftsjournalist betätigte und für einen Verleger populäre Artikel über medizinische und naturwissenschaftliche Themen schrieb. Dazu jobbt er noch vor Abschluss des Physikums als Assistent bei zwei Ärzten, die in einer Leipziger Vorstadt eine Gemeinschaftspraxis betrieben. Es sind HNO- und Augenärzte, die Katz schon kleinere Operationen machen lassen, für den Studenten ein extra Taschengeld. Nach seiner Promotion 1934 zum Dr. med. wird Katz auch einige Monate als Medizinalassistent kostenlos am jüdischen Krankenhaus [bis 1938 „Israelitisches Krankenhaus-Eitingon-Stiftung", Waldstraßenviertel, heute Eitingon-Straße, gehört heute zum Klinikum St.-Georg] arbeiten.

Vor der Emigration

Unter der wachsenden Bedrohung des stärker werdenden Nationalsozialismus schließt sich Katz einer zionistischen Studentenbewegung an. Bevor Katz Deutschland 1935 verlässt, begegnet er im Sommer 1934 im Kurort Karlsbad dem charismatischen Führer der Zionisten Chaim Weizmann [Chemiker und später erster Staatspräsident Israels 1948-1952], Weizmann wird ihm für die Ausreise behilflich sein. Noch ist es nicht soweit.

Nach dem Physikum beginnt Katz seine eigenen Forschungen am Physiologischen Institut in der Liebigstraße in Leipzig, angeleitet von seinem Professor Martin Gildemeister, einem bekannten Physiologen. Zur Neurophysiologie fühlte ich mich bereits ziemlich früh hingezogen, und zwar etwa seit 1930. In jenen Tagen galt die Ergründung der Gesetze der elektrischen Nervenstimulation [...] als eine große Sache. Katz erlernt die damals fortschrittlichsten Experimentiertechniken bei dem Leipziger Physiologen Johann D. Achelis, der Katz auch zur Erforschung der „Muskel-Permeabilität” führt. Obwohl Achelis sich nach 1933 den Nazis als Beamter im Erziehungsministerium angedient hatte [nach dem Krieg publiziert er u.a. zusammen mit Hoimar v. Ditfurth über Verhaltensphysiologie], behält Katz meine Hochachtung vor seinem Charakter. Achelis erkennt schnell die Begabungen und Fähigkeiten von Katz und befördert dessen Weg in die Wissenschaft.

Katz’ Forschungen finden noch in Leipzig Anerkennung: Meine Teilzeit-Forschungen am Physiologischen Institut in Leipzig führten auch zur Veröffentlichung einiger Artikel in Pflüglers Archiv. Aus diesen Arbeiten baute ich dann im November 1934 meine Dissertation zusammen. Unter ungewöhnlichen Umständen gewinnt Katz 1934 im Rahmen eines Universitätswettbewerbs den „Siegfried-Garten-Preis”, benannt nach dem Physiologen und Vorgänger Martin Gildemeisters in Leipzig. Es gab nur 2 Bewerber auf den Preis, die sich anonym beworben hatten. Katz gewann unter dem unverdächtigen Pseudonym „Johannes Müller” [nach dem Vater der deutschen Physiologie]. Als bekannt wurde, dass ein „Nicht-Arier” gewann, wurde verkündet, dass das Preisgeld unter diesen Umständen natürlich nicht vergeben werden könne. Professor Martin Gildemeister überreichte Katz heimlich das Preisgeld kurz darauf unter dem Tisch.

1934 erhält Katz die Anforderung eines Sonderdrucks seiner Publikation über eine seltsame Reaktion des Froschmuskels auf Streckbewegungen, es war der junge Ulf von Euler-Chelpin, der viel später, 1970, zusammen mit Katz mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wird.

Katz liest die Nature-Artikel des damals führenden Physiologen Archibald V. Hill [Nobelpreis für Medizin 1922] in London. Interessiert verfolgt Katz dabei auch die Leserbrief-Duelle zwischen Hill und dem nationalsozialistischen Physiker Johannes Stark [Nobelpreis für Physik 1919] über die Vertreibung jüdischer Wissenschaftler aus Deutschland. Diese Vertreibung bezeichnete Stark als „Schutzvorkehrung gegen eine Einflußnahme unloyaler Kräfte”. Hill dankt Stark spöttisch für den Eingang großer Geldspenden, die auf Starks Thesen zurückzuführen seien.

Archibald V. Hill ist die nächste charismatische Persönlichkeit, die die Zukunft des Wissenschaftlers Bernard Katz fortan bestimmen wird. Im Februar 1935 emigriert Katz nach England. Er wird bei Hill in London seine Forschungen über das Nervensystem höchst erfolgreich fortsetzen.

Bernrad Katz bei der Arbeit im Labor

Sir Bernard Katz bei der Arbeit im Labor

Literatur (hieraus auch alle Zitate kursiv):
Peter Weiß, Peter M. Steiner (Hrsg.): Forschung und Technik in Deutschland nach 1945. Deutsches Museum Bonn. Deutscher Kunstverlag, München 1995

Vor fast genau 245 Jahren, im September 1766, kommt Giacomo Casanova nach Leipzig: Da die Leipziger September-Messe sehr schön war, so fuhr ich dorthin, um zu meiner Kräftigung recht viele Lerchen zu essen, die mit Recht sehr berühmt sind.

Casanova - hier als junger Mann

Casanova - hier als junger Mann

Casanova war gerade auf dem Weg der Rekonvaleszenz von einer hässlichen Krankheit, die er sich in Dresden von seiner Begleiterin Maton zugezogen hatte. Die Leipziger Lerchen bauten ihn wieder auf, und zwar echte Lerchen, also solche, eiweißhaltige, die einst trillern konnten, und nicht solche, die heute aus Mürbeteig-Gebäck mit Mandelmasse angeboten werden, wobei auch letztere durchaus lecker sein können. Die gebratenen Singvögel haben den Frauenhelden also wieder auf Trab gebracht, so konnte er auch den Messestress bewältigen, dazu erlebte er hier ein reizendes Verwirrspiel mit einer Prinzessin und traf eine alte Bekannte aus London wieder, die er schließlich wieder zurück in Dresden näher kennenlernen durfte.
Casanova ist in Leipzig-Gohlis gerade sehr en vogue: Das Gohliser Schlösschen bietet eine Inszenierung mit Perspektive aus Casanovas letztem Aufenthaltsort, Schloss Waldstein im böhmischen Dux. Auch das Schillerhaus bereitet für September eine szenische Lesung vor.

Zum Thema “Casanova in Leipzig” werden im “Orangenladen”, ebenfalls in Gohlis, am Kirchplatz 7 (Ecke Menckestraße), interessante Lesungen angeboten: 2. Juli 20:00 Uhr, 8. Juli 20:00 Uhr, 29. Juli sowie 5. und 12. August. Radio Mephisto berichtet am 1.8.2011: http://mephisto976.uni-leipzig.de/themen/beitrag/artikel/casanova-in-leipzig.html

Lesungen: Casanova in Leipzig

Lesungen: Casanova in Leipzig

Wer mehr über Casanova in Leipzig wissen möchte, sei auf das schöne Buch Literarisches Leipzig verwiesen.

Casanova und Leipzig - die Beziehung ist vielfältig: Der alte F.A. Brockhaus war so schlau und erwarb 1821 von Carlo Angiolini, Neffe des großen Lebenskünstlers, das Manuskript der Memoiren Giacomo Casanovas, und es folgten sehr erfolgreiche, zunächst noch zensierte, Übersetzungen. Ein viel späterer und weitaus unbedeutenderer Brockhaus verkaufte 2010 dieses edle Manuskript nach dem Untergang des gleichnamigen Verlagshauses in Leipzig (2008) gegen viel Cash an Frankreich. Das Rechercheteam von artikelmacher.de hat aber (ha!) die erste Seite retten können:

Erste Seite vom Manuskript der Memoiren...

Erste Seite vom Manuskript der Memoiren...

schuldig!

schuldig!

Pfingsten ist Veranstaltungszeit, viele Berliner können den sogenannten Karneval der Kulturen nüscht mehr sehen und pilgern nach Leipzig (äh, natürlich mit dem Interconnex), denn hier gibt es wieder das WGT - 20 Jahre WGT! - und das Bachfest, nur freie Hotelzimmer gibt es nicht mehr.

Und das WGT ist viel karnevalistischer, viel friedlicher, viel reicher an Spirit als der Kreuzberger Karneval der Kulturen.

kleiner weiß-rosa gewandeter WGT-Besuchernachwuchs

kleiner, weiß-rosa gewandeter WGT-Besuchernachwuchs

Wem die WGT-Dauerkarte zu kostspielig ist, dem sei aber unbedingt der Besuch des “Heidnischen Dorfes” am Torhaus in Leipzig-Dölitz ans Herz gelegt und natürlich ein Schauspaziergang im Clara-Zetkin-Park.

Ja, und da ist ja noch das Bachfest…Johann Sebastian Bach hat wohl in Aussicht auf so schöne Pfingstfeste in Leipzig schon mal Der Tag der ist so freudenreich komponiert und auf Orgel intoniert, hier die Noten zum nachpfeifen:

Der Tag der ist so freudenreich...

Der Tag der ist so freudenreich...

Die Karneval-der-Kulturen-geplagten Berliner werden das festliche Leipzig sicher genießen und können - Bachs Orgelwerke pfeifend - bei Rückkehr ihren Orangenen von der BSR beim nachpfingstlichen Zusammenkehren der Bierflaschensplitter am Blücherplatz zuschauen.

Für die neue Reihe Hauptstadtnotizen begrüßen wir als neuen Autor VS!
VS! kennt sie, die Hauptstadt, die uns fortlaufend brummend ihren Bären aufbinden möchte…. VS! weiß, wo Politiker jünstije Kredite bekommen…VS! weiß, wo jenau Ackermann im Kanzleramt saß, doch wen interessieren die Äffchen aus Politik und Kapital schon. Viel wichtiger: VS! kennt die heiligen Tempel von Kunst und Bildung: Galerien, heimliche Tuilerien, die Humboldts, Hörsalgeräusche.  Altergecko freut sich auf VS!

Hauptstadtnotizen - Teil1

Freitag, 27. Mai 2011: Tagsüber Dinge erledigt: Flaschen weggeschafft, alkoholfreies Bier gekauft, zu Aldi einkaufen, Joggen im Grunewald, schlechte Zeit, Bibliothek Bücher vorgelegt und verlängert, 24 Stück nun schon seit zwei Jahren nicht geschafft zu lesen. Zu Hause Mail für den Sonntagsausflug geschrieben. Dann der berüchtigte Vernissage-Abend:

  • 18 Uhr nach SMS von einem der Ausgehverbrecher lange in der Dorotheenstr. nach dem Richtfest gesucht, nicht gefunden.
  • 19 Uhr Zwei Galerien in der Heidestr., 1 Raki getrunken
  • 19:30 Lehrter Str. 37, 2 ½ Gläser Rotwein
  • 20 Uhr Weil viele Leute auf dem Gehweg standen, zufällig zu einer Galerie in der Kleinen Hamburgerstr. Dort bestimmt 5 kleine Becks Bier getrunken. Jens-Uwe und Igor angerufen.
  • 21 Uhr Auguststr. Schicki Galerie, Bier, Drinks und Buffet mit rohem Fleisch. Sogar Musik, Tanz und Mädchen, aber keine kennen gelernt. 23:30 Uhr satt und betrunken zu Hause, 0:13 Uhr noch ein Mail an Igor gesendet.
  • Leider nicht mehr geschafft: Uhlandstr. 45, Kollwitzstr. 54, Tabori-Theater-Preis im Radialsystem, Holzmarktstr. 33

VS!

Leipzsch, 2.5.2011
In Leipzig gabs was kostenlos: MDR Literaturwettbewerb in der MDR Literaturnacht 2011: Die letzten 7 von, man glaubt es kaum, „über 2000″ Einsendungen, und von diesen Letzten nun, soll heute abend jemand  ausgezeichnet werden, wegen seiner literarischen Künste natürlich. Kurzgeschichten waren gefragt, ok, kennen wir, und denken an packende Stories, etwa von Hemingway, ach nee, in Leipzig darf man auch an Clemens Meyer denken, wird aber gleich wieder vergessen. Wie schon erwähnt, immerhin kostenlos, aber ohne kostenlose Getränke, leider, obwohl, mit dem Auto war ja eh nur Clausthaler drin, mehr als 1 kann man davon nicht trinken. Und die janze Veranstaltung dann im ehrwürdigen „Haus des Buches”, so ne Art literarischer Gral…
O.k., also meine Süße gefragt und nix wie hin, Clausthaler besorgt, hingesetzt und Ohren aufgespannt: Am Anfang gleich mal die Zusammenfassung: Die Jury hat 4 Osteuropajeschichten und 3 Familien-Krankheits-Urlaubs-Jeschichten ausgewählt, macht dann zusammen ja auch 7, die Letzten halt, mehr als 7 ist dabei auch nicht herausgekommen, glorreich war nicht eine. O.k., jetze mal sachte und von vorne:

Immerhin, die Geschichten wurden vom Wohlklang poppig-jazziger Musik einer Band unterbrochen und das Ganze wurde live unter der Überschrift „MDR Literaturnacht” in den Äther jeschickt. Der Äther draußen aber auch die Luft drinnen wurden stickich, viele Menschen kamen, deswegen halt. Die schlechte Luft passte aber janz jut zu den Jeschichten, die da vorgetragen wurden. Nun, der Reihe nach:

1)      ulrich-effenhauserHerr Effenhauser las in seiner Geschichte „Wiktor” (siehe da: mit W) so ne Art politisch kritische Geologen-Osteuropageschichte, um 2 Brüder, der eine moralisch gut und renitent, darf unter Putin auch ins Gefängnis, der andere erfolgsgeil nach Gas suchend, für Gazprom halt. In der Story werden Nasenbeine gebrochen, in dem man Geld ins Gesicht wirft, Dämpfe beißen wie der „Atem des Teufels” und morsches Holz wird als Anzünder jepriesen. Auf Russisch gelesen, hätte mir die Geschichte vielleicht gefallen…
2)      monika-konczFrau Koncz erzählt eine romantisch-sozialkritische Ethnogeschichte aus einem ärmeren Land in Süd-Ost-Europa, Opi wird jebadet: Kann er noch alleine leben, oder soll er zu den Verwandten in eine Stadt in D-Land? Das kann er aber doch nicht… Vielleicht hat Frau Koncz ja den Preis gewonnen…
3)     matthias-nawrat Herr Nawrat war so pfiffig und hat uns mal die Story von dem Piloten erzählt, der die janze polnische „Elite” inklusive dem dicken, kleinen Präsidenten im russischen Smolensk versenkt hat, natürlich nicht versenkt, richtig muss es heißen: det Flugzeug zum Absturz gebracht hat, war halt Nebel. In der Story gabs ein paar Wortspiele um den unausprechlichen Namen des Piloten, vielleicht hat Hr. Nawrat den Preis jewonnen…
4)     sebastians-polmans Herr Polmans las über einen Grenzpolizisten im Zweifel an der Oder, „entweder oder” halt, o.k., vielleicht kriegt Herr Polmans den Preis, Flüchtlinge im kalten Oderwasser, Säcke, Schicksale, na jedenfalls war das die vierte Osteuropageschichte, jetzt kommen die Familien:

5)     simone-kanter zunächst Frau Kanter mit der Geschichte „Rabenkinder”: Ne psychisch schon recht anjeknackst wirkende Story, etwas morbide, jedenfalls och ziemlich ornithologisch!
6)      jesse-falzoiFrau Falzoi brachte eine Geschichte mit dem schrecklichen Titel „Acceptance” und erörterte den Gap zwischen Krankheit und Modelwünschen, zwischen berliner Clubvergnügen und real-life-shit… wir wurden alle traurig…
7)      susanne-neufferZuletzt gabs was von einer Lehrerin, Frau Neuffer, hinter die Ohren: So ne Art Brigitte-Geschichte aus dem letzten Dänemark-Urlaub… echte Oberstudienrätinnenliteratur mit Bildungseinsprengseln (modern natürlich: Ibsen, Strindberg…): „Minna von Barnhelm war blau” hieß ihre Geschichte… wenn wir bloß nicht nur Clausthaler getrunken hätten…

Nach jeder Vorstellung tat das Publikum (dabei auch weniger werdend) pflichtgemäß in die Hände klatschen.
O.k., die Autoren wollen Anerkennung, hab ich den ja etwas nun gegeben. Aber diese Dschury: Absetzen! Die sind schuld!
Glückwünsche an den Jewinner, wer auch immer, von Altergecko, der sich trotzdem köstlich amüsieren hatte können…

LITERARISCHES LEIPZIG

***Donnerstag, 24. März 20:15 Uhr: Lesung aus Literarisches Leipzig bei Buchhandlung Lehmanns in Leipzig in der Reihe Leipzig Momente***

Ein Buch von Ansgar Bach unter Mitarbeit von Susanne Zwiener. Auf 96 Seiten mit historischem Stadtplan lassen sich die Spuren von 80 Schriftstellern, Gelehrten und Verlegern in Leipzig vom frühen 16. bis zum jungen 21. Jahrhundert entdecken. Der Autor Ansgar Bach beleuchtet in 80 biografischen Miniaturen mit vielen Zitaten auch die persönlichen Seiten im Leben der vorgestellten Persönlichkeiten. Literarisches Leipzig ist für 12,80 EUR im Verlag Jena 1800 erschienen und dort direkt bestellbar.

Leipzigs Stadtmagazin kreuzer wählt in Ausgabe 06/2011 das Buch Literarisches Leipzig zum Tipp des Monats!

Das Magazin Bücher (Ausgabe Juli/August 2011) empfiehlt Literarisches Leipzig ausdrücklich  als eine akribisch recherchierte  “Handreichung zum Wandeln auf den Spuren  großer Autoren”.

Im Internet findet sich bei der LIZ  eine Rezension zu Literarisches Leipzig.

Der Autor bietet für Gruppen literarische Führungen in Leipzig an (Terminabsprache unter 0163-1724205).

Cover Literarisches leipzig

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