Archiv für das Tag 'Derby-Auktion'

Großes Sommer-Derby auf der Trabrennbahn Berlin-Mariendorf

Eigentlich war hier ein Bericht vom Polo-Turnier auf Sylt geplant. Es kam ein Sturm, in Berlin aber war das Wetter bestens für eine andere Art des Pferdesports: Trabrennen. Das einwöchige Sommerderby ist das wichtigste Ereignis im deutschen Trabrennsport. Der Mensch war schon immer von Geschwindigkeit und Schnelligkeit fasziniert. Auch gehört das Spiel zum Menschen. Hier kann man sich an den vorbeipreschenden Wagen mit diesen edlen Tieren ergötzen und man kann sein Glück beim Wetten herausfordern. Das ist die gute Kombination mit einer langzurückreichenden Tradition: War doch im antiken Olympia das Wagenrennen die Königsdisziplin.
Wir feiern ein Jubiläum: Es ist das 120. Deutsche Traber-Derby und die 25. Derby-Auktion in Mariendorf. Und dieses Jahr könnte man mit einer Wiederbelebung des alten Westberlins mit seinem ach so spezifischen Glamour meinen. Schöner hätte der Auftakt nicht sein können: Rassige Pferde, tolle Jockeys, ein begeistertes Publikum, hinzu ein ewiges hin- und her von Wolken und Sonne mit einem kräftigen Sommerwind – mit den unweigerlichen Assoziationen an Frank Sinatra, Großstadt und Tempo – wie halt auf einer Rennbahn. Ein warmer wie auch kräftiger Sommerwind, der all die schicken Hüte bewegte. Denn zum Rennbahnvergnügen gehört der Hut und schicke Kleidung. Besonders die Frauen mit ihren ausgefallenen Hüten tragen dazu bei, diese besondere Atmosphäre zu schaffen. Ja, man trägt Hut. Gleich zum Auftakt des Derbys gab es einen Hut-Wettbewerb.

Bild: Volkmar Schlutter

Bild: Volkmar Schlutter

Auch B- und C-Promis waren zu sehen. Aber ein wenig Politprominenz würde dem Trabrennsport gerade hier auf der Kaiserlich-Endell’schen Tribüne, wo der Jugendstil noch fühlbar ist, im etwas abseitigem Mariendorf gut tun. Von der Tribüne ist die Perspektive auf das Rennen und das Gelände einzigartig und die Atmosphäre erinnert an das Vergnügen der „reichen und vornehmen Leute“ vergangener Zeiten.
Die Wettfreude des Publikums war in den Pausen zu beobachten, wo eifrig Wettscheine ausgefüllt wurden. Das Programmheft mit seinen Tipps und Hintergrundinformationen ist dabei eine wertvolle Hilfe für Neulinge wie auch für versierte Zocker – wenn es auch ständig zu Überraschungen kommt. Denn Profis konnte man nach einer verlorenen Wette enttäuscht aufspringen sehen.

Die Pausen zwischen den Rennen wurden nicht langweilig. Man füllte sie entweder mit dem Gang zum leckeren Büffet oder mit der Beobachtung der Aufwärmrunden der Gespanne und einer Parade des Sprengwagens. Ohne Unterlass fuhr ein Sprengwagen übers Rondell, um die Bahn aufs beste zu präparieren. Der Sprengwagen – ein Inbegriff des Sommers und in Mariendorf mit der Aufschrift „Hier Pferd die BSR“ (Berliner Stadtreinigung) – der typisch lakonische Berliner Humor.Ein herrlicher Tag auf der Rennbahn: Ideal für tolle Pferde und ihre hinreißenden Zuschauer, die manchmal am liebsten mit diesen edlen, kräftigen und schönen Tieren durchgehen würden. Begeisterte Zuschauer, entspannte Atmosphäre mit der immer wieder aufregenden Spannung der Jagd auf den Bahnen. Das letzte Rennen dann im Licht der warmen Abendsonne, noch ein frisches Bier: Ein schöner Tag geselligen und sportlichen Lebens in Berlin geht zu Ende. So mögen es die Berliner und seine illustren Gäste.

Text von Volkmar Schlutter

24. Juli bis 2. August 2015. Informationen unter www.berlintrab.de