Archiv für das Tag 'Georg Heym'

Ein Beitrag von Volkmar Schlutter

Es ist wieder soweit: Einmal im Jahr findet in unserem Land das große Nachwuchtreffen der Gesangstalente statt. Allerdings der seriösen Gesangstalente – muss man dazu sagen. Kein Voice of Germany oder Deutschland sucht den Superstar, also TV-Casting-Shows, die größtenteils darauf beruhen das Publikum zu unterhalten, wobei mehr oder weniger häufig die Kandidaten bloßgestellt und der allgemeinen Lächerlichkeit preisgegeben werden. Nein, hier handelt es sich hier um den mittlerweile 44sten Bundeswettbewerb Gesang, der alljährlich in Berlin stattfindet. Dies immer im Wechsel der Genre Oper und Operette und wie in dieses Jahr Chanson und Musical.

Wie kommt man als junger Mensch zur klassischen Musik? Meist geschieht dies durch eine andere Person, naheliegend jemand aus Familie, Schule, Ausbildung oder Studium. Auch der Besuch des Bundeswettbewerbes Gesang kann so ein Schlüsselereignis sein. Aus den vielen ausgewählten Bewerbern geben am Ende ein dutzend Finalisten ein Preisträgerkonzert. Der letzte Bundeswettbewerb Oper und Operette im Dezember 2014 war ein Genuss für die Sinne. Auch wenn der Abschlussabend tiefsinnig mit einer Auftragskomposition nach schwermütigen Gedichten von Georg Heym begonnen hatte, folgte dem ein unbeschwerter Abend. Der Moderator war der Ausnahmeviolinist Daniel Hope mit seiner Liebeserklärung an die Nachwuchssänger: „Die Stimme ist die Geige im Körper“.

Junge Gesangstalente bei der Preisverleihung (Bild: Volkmar Schlutter)

Junge Gesangstalente bei der Preisverleihung (Bild: Volkmar Schlutter)

Es war großartig all das zu erleben, ein Abend voller Anmut. Große Talente haben ihr Bestes gegeben. Und einer der Gewinner, für den Preis des Regierenden Bürgermeisters von Berlin in Höhe von 10.000 €, war Sebastian Wartig, 25 Jahre alt, aus Dresden. Jung und so begabt. Sein Auftritt hatte etwas Magisches: Als schwebe er zwischen Orchester und Publikum. Bravo! Und was ist inzwischen aus ihm geworden? Mit Beginn der Spielzeit 2015/16 ist er festes Ensemblemitglied der Semperoper Dresden und gibt unter anderem seine Rollendebüts als Conte d’Almaviva in der „Hochzeit des Figaros“ und als Dr. Falke in „Die Fledermaus“.

Der Staatssekretär für Kultur, der in Vertretung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin kam, sagte: „Der Preis ist so wichtig für die Opernlandschaft Deutschland. Unterstützen sie deshalb diese jungen Talente.“ Recht hat er. Ein denkwürdiger Abend, dieser Bundeswettbewerb Gesang, er sollte nicht länger ein Geheimtipp bleiben. Wir dürfen und sollten also auf das Preisträgerkonzert am 7. Dezember 2015 im Friedrichstadtpalast Berlin gespannt sein.