Archiv für das Tag 'Peer Steinbrück'

Unsere Meinung perquisite:
An manchen Tagen, so wie an diesem 18.12., klingelt es auf allen Medienkanälen, Nachrichten über Nachrichten: Keith Richards wird 70, da kann man nur gratulieren, noch vor Jahrzehnten unvorstellbar… Willy Brandt wäre heute 100 geworden, meine Güte, wie vermisst man doch heute Politiker von solchem Format – menschlich wie politisch, tja, „Willy wählen“ geht leider nicht mehr. Und GroKo ist das neue Kürzel, steht für Großkotz-Koalition, die am 18.12. ihre „Arbeit“ aufnimmt und hoffentlich wird es da keinen 70. Geburtstag geben, geschweige denn den 100. Und was macht nun Peer Steinbrück? Zieht sich zurück, aber Achtung: Wenn Sie von Vorträgen hören wie „Der Jadehase und der Eurokurs“ für schlappe 20.000 Honorar, das ist dann bestimmt wieder Sozialdemokrat Steinbrück.

Ach SPD, jetzt gehört die Partei auch noch zum Hotelsteuersenker-Club der Lobby-Kapitalisten!

Und die GroKo-Minister? Arbeitsministerin Andrea Nahles? Sie fordert gerade Abschaffung des Anwesenheitswahns, klar im Bundestag muss man ja auch nicht anwesend sein, für die wenigen Diäten-Peanuts. Hat Frau Nahles wie jeder Arbeitnehmer eigentlich in Ihrem Leben schon einmal in die Sozialversicherung einzahlen müssen? Kriegt ja eh Pension ohne je einzuzahlen… Da fließen echte Grokodealstränen…Und der Clou: EZB-Mann Jörg Asmussen nun als Staatssekretär im Arbeitsministerium, wie bitte? Dieser Asmussen, der als Finanzstaatssekretär eine treibende Kraft bei der Durchsetzung der verhängnisvollen Deregulierung des Finanzmarktes in Deutschland war, dazu Mitglied im Aufsichtsrat der “Mittelstandsbank” IKB. Diese Bank verursachte dann durch den u.a. von Asmussen unterstützten Ankauf zweitklassiger (”subprime”) gebündelter US-Hypothekenkredite einen beispiellosen Absturz auf Kosten des Steuerzahlers.
Wir brauchen uns mit dieser GroKo um den Finanzkapitalismus also keine Sorgen machen – es geht weiter wie gehabt, EURO-Wahn inklusive. Kontinuität zählt, wir zahlen: Finanzminister bleibt Geldkofferträger Dr. Schäuble, der für seine Partei einmal – so lange ist es nicht her – über 100.000 in Cash vom Waffenhändler Schreiber kassierte – „Spenden“ wohlgemerkt.

Jedenfalls weiß der Bürger mit wem er es zu tun hat.

Scheene Jrüße (bzw. schöne Scheiße), altergecko

In diesen Tagen im Mai 2013 feiert Leipzig mit Lampions, veranstaltet Galas, stellt Denkmäler auf und empfängt hochrangige Politiker aus BRD und Resteuropa. Und warum? Nun Richard Wagner, die musikalische Repetiermaschine der pathetischen Leitmotive, dieses so deutsche Genie mit antisemitischem Schattenwurf, wurde vor 200 Jahren in Leipzig geboren, ansonsten hat er mit Leipzig eigentlich nicht so viel am Hut gehabt. Und die „alte Tante SPD“ wurde als Arbeiterverein vor 150 Jahren in Leipzig gegründet, damals noch ein Verein mit Vorstellungen von einem Gleichgewicht zwischen Freiheit und sozialer Gerechtigkeit. Wagner und die SPD ergeben zusammen in Leipzig, also summarisch gesehen, 350 Jubeljahre (mit 200 Jahre Völkerschlacht sind es sogar 550).

Wagner Festtage in der Oper Leipzig

Wagner Festtage in der Oper Leipzig

Der olle Verfasser dieser Zeilen, seit seiner Geburt bereits Bestandteil der Eliten dieser Welt, wurde am 21. Mai, also einen Tag vor Wagners Geburtstag, mit VIP-Ticket zur Richard Wagner Gala der Verleihung der Europäischen Kulturpreise 2013 in die Leipziger Oper geladen. Der eine oder andere unbekannte VIP auch im kompletten Wichs aus Smoking, Fliege, Einstecktuch und Lackschuh. Das MDR-Rundfunkorchester versuchte zuweilen erfolgreich den Wagner-Takt zu halten und Moderatorin Kim Fisher kam nach versehentlich europaskeptisch gemeinten lettisch-estnischen Verwechslungen zu dem musikalisch erfrischend ehrlichen Schluss: „Richard Wagners Musik klingt viel besser als sie ist.“ Nach ihrer Ankündigung des Mottos: „Wagner kann auch kurz“ spielte das Orchester ein kurzweiliges Wagner-Medley, wow!
Zwischen diesen musikalischen Höhepunkten wurden zahlreiche „Europäische Kulturpreise“(*) an zahlreiche Preisträger verliehen, darunter natürlich auch an Arnim Müller-Stahl (für alle seine Talente auf allen Gebieten) und an Iris Berben (für ihre Arbeit an der deutsch-jüdischen Versöhnung), beide durften sich dabei auch als Laudatoren gegenseitig mit Lob bis zum Fremdschämen überschütten. Stahls gefeierte Multitalente mündeten – immerhin doch ironisch gemeint – darin, dass der körperlich gut erhaltene Mime mit 82 jetzt auch mal öffentlich drei Minuten Brahms dirigieren durfte. Ich glaube der Müller-Stahl wird mindestens 102, d.h. noch mindestens 20 Ehrungen für alle seine Talente, und Frau Berben schafft das bestimmt auch noch.
Ach so, hätte ich beinahe vergessen: Karl Lagerfeld war auch da, sah aus wie immer und wurde von einer Brünnhilde im Lagerfeld-Kleidchen überschäumend laudatiert, offensichtlich zu dessen Missvergnügen, jedenfalls war er schnell wieder weg, ohne auf der anbiedernd bereitgestellten Leinwand die Umrisse Wagners oder einer Brünnhilde zu hinterlassen. Auf solchen Applaus konnte Fashion-Karlchen sicher gut verzichten.
Die ganze Veranstaltung wurde von einer ungewöhnlich schlecht inszenierten Video-Präsentation begleitet, Videos, die gar nicht beschreibbar sind, so nichtssagend waren sie, ausgenommen eine Einspielung von Schülern der Neuen Nikolaischule, die eine ganz eigene ideenreich-rhythmische Wagner-Interpretation vorgestellt haben.

Wagner vor seinem in Stahl gefrästen Schatten

Wagner vor seinem in Stahl gefrästen Schatten

Am 22. Mai wurde dann von einer Bürgerinitiative ein Wagner-Denkmal aufgestellt, und das auf dem Sockel mit den schönen Klinger-Figuren am Ring. Ein bunter Wagner (das papageienhafte Musikgenie) vor seinem großen (antisemitischen) Schatten aus grob gefrästem Stahl. Tja, der rassistische Wagner-Geist lebt auch heute noch im Lande, besonders bei den Burschenschaftsstudenten, die derzeit zum Glück etwas weiter weg in Eisenach mit Fackeln herummarschieren und laut herumgackern.

Von Gala zu Gala: Frau Berben auf dem SPD-Fest in Leipzig

Von Gala zu Gala: Frau Berben auf dem SPD-Fest in Leipzig

Am 23. Mai sind BK Merkel, Le Président Hollande, BP Gauck, und allerlei SPD-Politiker im Leipziger Gewandhaus zum Abfeiern der 150 Jahre SPD, und wieder dabei: Iris Berben, gewissermaßen von einer Gala zur nächsten. Ach, SPD, die Partei, die mit ihrer neoliberalen „New-Labour„-Politik alias „Agenda 2010″ Bänkster, Versicherungskonzerne und Superreiche noch reicher gemacht hat, die aber ihre eigene Klientel als künftige Klasse der working poor bis ins Mark demütigte, die die kleinen Leute zum Sklavendasein für Billiglöhne verdammt hat, ihnen perverse Versicherungsverträge von provisionsgeilen Verbrechern aufgeschwatzt und einst gesetzlich garantierte Renten nachträglich gekürzt hat. Sorry, was gibt es da zu feiern, außer eine SPD unter 18 echten Möllemannprozenten? Und wer glaubt wirklich, wir bräuchten einen immer mundoffen-vorlauten Quatschkopf und Vortragsmillionär zum Kanzler? Charismatische SPD-Persönlichkeiten wie einst Brandt, Bahr, Wehner und auch Schmidt, sind bereits prähistorische Vergangenheit.
Wie rot dürfen SPDler sein? (hier beim SPD-Fest in Leipzig 2013)Wie rot dürfen SPDler sein? (hier beim SPD-Fest in Leipzig 2013)

Nee. Gute Nacht SPD. Gute Nacht Wagner, gute Nacht to the city of Leipzig.

Beste Jrüße, Altergecko

(*) Die Hintermänner der Europäischen Kulturpreise sitzen in Basel: http://www.europaeische-kulturstiftung.de/

oder wollt ihr den Untergang? Ja, derart martialisch schallt es von Regierungsmächtigen und Journalisten zu uns schändlichen Skeptikern herüber, und die BRD soll Europa retten und die ganze Welt mit ihrem Geld… Klingt irgendwie bekannt. Die Hauptdarsteller, selbsternannte Europaideologen in St. Veitstanz-Erregung, von einem bestimmten Typus, der der Welt noch nie so richtig gut getan hat: nämlich vom Typus des deutsch-romantischen Idealisten. Dieser Typus, einst, im frühen 19. Jahrhundert, auch als eine Gegenreaktion auf Napoleon entstanden, tritt in seiner nationalistischen Variante bis heute hauptsächlich als Unwesen in deutschtümelnden Burschenschaften auf. Auch der Größenwahn des einfältigen Kaiser Wilhelm II. und der viel teuflischere Größenwahn eines Dr. Goebbels haben hier ihre Wurzeln. Ihre Marktschreier sind nicht selten promovierte Akademiker… Andere wiederum wurden ewig wahrheitsüberzeugte Prawda-Kommunisten oder sie wurden schließlich Pabst.

Und heute? Mir scheint, dass Politiker wie ein Dr. W. Schäuble oder die Herren J. Trittin und P. Steinbrück oder auch Journalisten wie ein Herr J. Augstein genau aus diesem urdeutsch-idealistisch-morschen Holz geschnitzt sind. Dem durchaus intelligenten Holzwurm wird dabei aber schlecht. Nicht dass diese Lautsprecher sich deutsch-nationalistisch gebärden würden, nein, ihr Weltrettungsuntergangs-Größenwahn äußert sich heute als europachauvinistische Heilsvorstellung, nach dem Motto: entweder alles wird Europa oder alles geht unter. Kurzum: Wollt ihr den totalen Euro? Nur der Holzwurm will den nicht, jedenfalls nicht total, denn er ahnt, da werden welche von den Banken am Nasenring durch die Manege geführt.

Dazu passt nur noch, dass Dr. Schäuble nach erfolgreicher Abstimmung über den ESM-Vertrag wieder laufen kann. Ja, er wird wieder laufen können, und die Räder seines Rollstuhls verwandeln sich in goldene Rieseneuronen, die sich langsam vom Stuhl lösen und schwebend durchs Parlament zum Himmel fahren um dort als Doppelmond über unser aller Schicksal zu leuchten.

…es jrüßt Altergecko