Archiv für das Tag 'Viktoriapark'

Hilfe! Mein Hund ist eine Partymaus

(Wo was abgeht, da muss mein Hund SOFORT hin. Ich alleine bin ihr offensichtlich viel zu langweilig.)
Na ja, was will die denn auch? Kennt man ja schließlich, die olle Tante, die eh immer nur vorm Compi sitzt und irgendetwas mit langweiligen Zahlen macht. Dann quietscht auch dauernd ihr blöder Drucker, das Telefon nervt zudem und der Sound vom Fax ist eh pures Ärgernis. Wie kann man so leben….? Sie sollte sich ein Beispiel an mir nehmen!

Also:
Kaum dass der Wecker klingelt, laufe ich erst einmal frei so 1-1,5 Stunden durch den Viktoriapark und genieße den schönen Morgen. Haben gerade bestes September-Wetter, es riecht also überall bestens. Treffe mich dann mit meinen Hundekumpels zum gemeinsamen Frühsport auf der großen Wiese, manchmal kommt auch ein Ball / Stock ins Spiel, den meine Besitzerin gerne für mich werfen darf. Ist schließlich auch nicht mehr die Jüngste und ihre Oberarme können es sicher gut gebrauchen.Wenn ich dann so ausgeknockt bin, dass ich den angestrengten Versuchen meiner Dienstleisterin etwas gelangweilt nachgebe, darf sie mir mein Frühstück kredenzen.
Bin froh, dass sie sich endlich gemerkt hat, was mir genehm ist, hat etwas gedauert. Könnte mal wieder eine Nektarine sein, als Sportlerin brauche ich meine Vitamine. Tja, dann erst mal ein Nickerchen, immer wieder belästigt vom doofen Fax und dann auf ein Neues der Ollen zeigen, wie effektive Tagesnutzung aussehen sollte: Ab zum Hundeauslauf @ Hasenheide. Dort wieder für 1 Std. kurz die Szene checken, Sports and some Socialising. Das strengt dann doch auch mich ein wenig an, also gleich auf in die Heimstraße zum Barfers-Shop, lecker Schmacko-Fazo-Sachen für mich einkaufen und dem Verkäufer dabei gaaaanz tief ins Auge blicken, damit der ja nicht vergisst, mir ein wenig Schmack-Fazo zum Probieren rüber zu schmeißen.
(Habe die Olle übrigens mittlerweile so gut im Griff, dass sie selbst danach fragt, sollte der Döspaddel das mal vergessen.)
Nun war es des Sportes genug, Shopping ist angesagt. Gibt ja viele kleine Lädchen hier im Dreh, immer wieder neue, da muss ich mal reingucken. Könnte sein, dass die einen Hund haben oder andere schicke Sachen. Findet die Olle doof, die Lädcheninhaber oft auch, aber interessiert es mich? Sollten mal entspannen, die Guten.
Habe ich dann auch nach leckerem Mittagessen gemacht. Drei Stunden habe ich mich danach ausgeruht, dann schoss es mir durch den Kopf: Heute abend ist Neueröffnung eines Cafe/Restaurantes hier, da muss ich hin!
Die Olle hat es dann auch eingesehen – also hin dort. Gab zwar nichts für mich (stehe nicht so auf Blutwurst und Handkäse mit Musik) – aber es gab Menschen, die mich genauso toll fanden, wie ich mich selbst. Habe die Olle darüber ganz vergessen. Wollte dann auf einmal Gassi mit mir gehen…. O.k., eine Lache habe ich ihr gegönnt, aber dann bitte gleich wieder zurück in das Cafe/Restaurant, Du Langweilerin!
Hat sie nicht gemacht, sie hat mich nach Hause geschleift. Und warum? Weil sie wieder vor dem doofen PC sitzen muss. Und sie Menschenmassen nicht mag. Ich finde sie doof. Aber…. Wenn ich mal so nachdenke…. Sooooo schlecht ist sie dann auch wieder nicht….

Hunde rufen zur Revolte auf!

„Wie jetze…? denkt der geneigte Berliner Leser. Man dachte doch, so ein Hund macht nur Arbeit, nervt gerne und viel – zumal wenn in der Pubertät und damit auf dem Trip, die Rudelführerschaft ein für alle mal zu seinen Gunsten klarzustellen. Zudem muss man die Hinterlassenschaften ebenso entsorgen wie das Gruselinsektenzeugs namens Zecke und Floh. Von den ganzen Kosten für Futter, Arzt oder Ärztin, Steuern usw. mal ganz abgesehen. Und rufen – das macht doch eigentlich nur der Dienstleistungssklave, manchmal vergeblich, vom anderen Ende der Leine. Selbst Loriots Hund konnte letztlich nicht wirklich sprechen, auch wenn 4 Jahre hartes Training investiert wurden. Weit gefehlt, Hunde können aufrufen – und zwar zum Protest! Das machen sie nicht nur im Rudel, wenn sich z.Bsp. ein Rüpel komplett daneben benimmt und ein souveränes Tier dazwischen geht, um mal kurz für „ordentliches Benehmen“ zu sorgen und gemobbte Tiere zu verteidigen.
Nein, die Hunde küssen obendrein das Revoluzer-Gen, längst verschollen geglaubtes Erbgut der 70er + 80er des vergangenen Jahrhunderts auch in ihren BesitzerInnen wach. LeserInnen der Kolumne wissen um das massive Controletti der Ordnungshüter im Viktoriapark. Angesichts der massiven Präsenz der Ordnungsmacht dort fragt man sich mittlerweile, ob es nur das gute Wetter ist, dass sie auf ihre Streifzüge in den Park treibt oder die Angst, sich der tatsächlichen Probleme in dieser Stadt anzunehmen. Und wundert sich über die eingesetzte Manpower, die andernorts als fehlend beklagt wird. Und zwar von ebendiesen Ordnungshütern.
Klar, ballspielende Hunde stellen eine echte Gefahr für das Allgemeinwohl dar, wohingegen Pädophile auf Kinderspielplätzen ein eher zu vernachlässigendes Problem sein dürften. Zumal könnten es Kollegen aus dem gleichen Amt sein. Wenn einem die Pension lieb ist, sollte man sich da natürlich nicht einmischen. Dann lieber mit 20 Mann auf einen Hund.
Dem Aufruf der Hunde folgend, hat ein Besitzer von 2 Hunden die zündende Idee gehabt und auch keine Kosten gescheut. Die ihm bekannte Hundebesitzer-Szene @Viktoriapark wurde mit Trillerpfeifen ausgestattet. Die haben es dankbar angenommen. Und mit Erfolg!
Sobald der Trillerton aus welcher Ecke des Parks auch immer erschallt, sind nur noch unschuldig rumschnuppernde angeleinte Hunde zu sehen. Mit ebenso unschuldig dreinblickenden BesitzerInnen, wie gewohnt am anderen Ende der Leine. Und die Ordnungsmacht kann in Ruhe ihren bezahlten Spaziergang im Sonnenschein machen, bevor es in die Kantine geht.

Nun deep in the dark in den Viktoriapark hinein:

Na ja, es gibt ein Problem: Im Viktoriapark dürfen ja keine Hunde frei laufen – machen sie aber doch, aber alle sind in ständiger Alarmbereitschaft. Irgendwann kommt irgendwo her der gellende Schrei „Polizei“ und ruck-zuck sind alle Hunde an der Leine oder – wie die kleinen Drogendealer @Hasenheide – ganz schnell in den verwinkelten Ecken verschwunden. Heute fuhren gleich 2 Wagen der Polizei Streife dort – und dann kam ganz lahmarschig noch ein Wagen des Ordnungsamtes. Lahmarschig insoweit, als dass die Ordnungsamt-Mutti sich mit einer Bauwagenmutti aus dem Autofenster heraus über Hochzeitskleider unterhalten hat. Zudem laufen da auch Ordnungsamt-Leute Streife, also auch ohne Karre ist Controletti angesagt. 40,- € für jeden „gefangenen“ freilaufenden Hund. Soll Leute geben mit guter Connection, die per SMS eine Warnung kriegen. Dabei isses da so toll – und eine eigene Szene.
Man kennt gar nicht die Namen der Besitzer, weiß evtl. um das eine oder andere Gewerbe, das sie dort im Dreh betreiben, aber man kennt die Namen der Hunde: Der Mischling Socke, der Mops Erwin, und so weiter…. aber (!!) der Spaß ist dort nur kurz, denn sobald die Sonne richtig lacht, bevölkern tausend Menschen das Gras, nix mehr mit Bällchenwerfen und Hunde-Rumgehopse. Im Sommer gehört der Park den Menschen und dem von ihnen hinterlassenen Dreck. Wer dennoch in der Zeit seinen Hund dort frei rumlaufen lässt, erlebt Kondome und Tampons im Kackhaufen. Die schnelle Nummer im Sonnenuntergang, nur mal kurz den Stöpsel rausgenommen…

Hier noch ein Video-Link

Ich habe sie als Baby bekommen, sehe die Entwicklung, ihre Sensibilitäten, ihre Ängste (Müllwagen, bei Ostwind flatterndes Zeuchs, etc.pp.) demnächst wird sie irgendwann ihre Tage (= läufig) bekommen… man ist schon nahe dran an diesem Tier. Und es ist kein dummes Tier. Sie trickst, wo sie kann, denkt mit und hat einen 7. Sinn. Und – to make a long story short – sie ist meine Mitbewohnerin, die massiven Einfluß auf die Struktur meines Alltags hat. Sie diszipliniert mich durch Notwendigkeiten. Und ich habe auch etwas davon = Ich habe meine Scheuklappen Menschen gegenüber verloren. Ich habe so dermaßen viele und nette Menschen kennengelernt, die meinen Alltag erhellen. Durch ihre Geschichten, durch das mich erkennen und für gut befinden, durch das, was sie bereit sind mir zu erzählen.
Und ja, ich mag diese kleine Fellnase, die immer guckt, dass ich um spätestens 8 aufstehe. Sie ist drollig, verspielt, eigensinnig.., sie fordert mich. Und mein Herz platzt vor Stolz, wenn sie frei im Viktoriapark ist, umzingelt von vielen Hunden (ihre Denke = Hundis-da muss ich unbedingt hin!!!!) und auf einen Wink zu mir zurück kommt. Das sind Lernerfolge, die wir haben, die kannst Du natürlich nicht teilen, da Katzenmensch. Aber erst nach ca. 2 Jahren ist man durch mit dem Lernerfolg, man muss dranbleiben. Und ja, ich gebe mir Mühe, was die Ernährung des „Köters“ angeht. Möchtest Du nur Scheiße fressen? Nee, wenn schon Verantwortung übernommen, dann richtig. Nix mit Trocken- oder Dosenfutter. Wenn ich Hund oder Katze wäre würde mich das doch auch nur ankotzen. Die können halt nix sagen… aber es macht sich bemerkbar, wie man sie füttert. Im Kot, in der Haut- und Haarstruktur, im allgemeinen Wohlbefinden. To make a long story short – ich mache mir jetzt ein Kalbsgoulasch! Habe mir eh zuviel Zeit auffem Internet geleistet….

Anmerkung des „Katzenmenschen“: Die Hundehalterin lebt in Berlin-Kreuzberg (61) und hat die hohe literarische Quersumme 63