Neujahr, Schock! Schon 2011 war ja wie Science Fiction in der Gegenwart, aber 2012? – ein Jahr nach dem Kleist-Gedächtnisjahr? Gerüchte waren zu vernehmen, dass viele ehrbare Bürjer der BRD inzwischen ein paar Tausend Kohlhaasens zum beschleunigten Abbau von Priveligierten und zum fixen Auswechseln von Positionen mit Ausblick wünschen. Ne, und dazu kommt schon gleich wieder ne schlechte Schlagzeile über Wulffi, der soll laut FAZ und Süddeutsche tatsächlich der BILD-Redaktion dumpf jedroht haben, damit über Kreditverjünstigungen bloß nix berichtet wird… hui, schöön peinigst peinlich,  da fragt man sich schon, wat für schlichte Jemüter inzwischen allet Bundespräsident werden können… und wat die dem Bürjer allet kosten! Da kann nur eine Beförderung zum Weihnachtsmann 2012 oder die dauerhafte Rückstufung vom Präsidialamt in den Kindergarten empfohlen werden.

Leistungsträger sind diejenigen, die die Leistung der anderen zur Bank tragen.

Mit diesem unserem Sinnspruch wünscht die Rabiate Artikelmacher Fraktion kuschelige Stunden mit dem Schweinachtsmann und ein lichterloh fackelndes Sylvester in Eurem Bankenviertel.

Wir haben Hitzacker verpasst!
In Gorleben war letztes Wochenende wieder mal Halbkommunismus und wir waren nicht dabei. Schande über uns. Nicht nur dass es für eine gute Sache war – denn es gab geselliges Zusammensein, dicht nebeneinander schlafen, free Coffee and Kuchen, womöglich noch nette Mädchen und Jungs kennen zu lernen, Volksküche, Decken von den Bauern, Schnittchen und Freibierchen bestimmt auch. Von jetzt an lesen wir regelmäßig den Artikelmacher, dann flutscht uns sowas nicht mehr durch die Lappen, Herr Chefredakteur.
VS!

Soweit ists gekommen, unser Hauptstadtkorrespondent VS! auf Wallfahrt, nächstes Mal wieder frisch aus dem Kanzlerinnenamt, äh, aus der Kanzlerämtin, äh, oder vom Barrosoamt, wie auch immer, ein, zwei, drei Lutherbier, Prost!

Der Reformationstag 2011 – wie kann man den Tag würdiger begehen als nach Wittenberg zu fahren, denn hier hat er ja gelebt und gewaltet. Also ging es von Berlin mit Zug und Fahrrad zum dortigen Reformationsfest. Das hat zwar wegen Schienenersatzverkehr doppelt solange gedauert, aber dafür brauchte man gleich mal fast nix bezahlen. So kam auch ein Zwischenaufenthalt von über einer Stunde in Jüterbog zustande. Ein kleines Städtchen in Südbrandenburg, wo man eigentlich immer nur durchfährt. Die unfreiwillige Zeit nutzte ich und fuhr kreuz und quer durch das schöne und zu Unrecht halbvergessene Städtchen. Ist wirklich ein Besuch wert.

Am Mittag dann in Wittenberg angekommen war schönstes sonniges Wetter, viele Leute und alles ganz Luther: Lutherbratwurst, Lutherkekse, Reformationsbrötchen, Lutherwein, Lutherbier, Lutherbraten usw.. Alles schön teuer, dünn und nur halb soviel drin. Ich habe dann erst einmal zwei Lutherbockwürste gegessen, denn das schien mir mit 1,50 Euro das billigste auf dem ganzen Fest. Aber just in dem Moment war die Kasse unbesetzt. Irgendwann nachmittags bin ich die knapp 20 km mit dem Rad zum Schloss Oranienbaum gefahren. Dort war dann bereits dicker Nebel über den Elbeniederungen. Der Park und Schloss war sehr schön, fast schöner als in Wörlitz, weil kleiner, lieblicher und abgelegner. Bereits schon dunkel ging es auf dem Elbdamm wieder zurück nach Wittenberg. Am Kiosk dort dann das wohlverdiente Feierabendbier. Und das schnell mal von 1,50 auf 1 Euro heruntergehandelt. Weil so günstig, gleich ein zweites hinterher gezischt.
Es war bereits Abend, noch einmal über den Markt geschlendert und hier diese teuren Mittelalter-Käseschinkenbrötchen geschenkt bekommen. Weil sie in ihrem protestantischen Arbeitseifer zu viele davon gebacken hatten, wurde sie diese nicht mehr los. Dafür aber waren sie christlich freigiebig. Einen ganzen Beutel bekam ich davon. Spät nach Hause gekommen, ging ich müde und satt ins  Bett – wohl wie Luther.

VS!

Freie Bürger demonstrieren heute weltweit für Demokratie und gegen die Macht der Finanzindustrie: heute 15. Oktober 2011 in Frankfurt, der Bankster-Zentrale:

Alle Infos unter: http://www.occupyfrankfurt.de/doku.php

… auch in Berlin und anderen Städten – macht mal Zank: sprengt den Rasen sprengt die…

Das berühmte Video Die Banken gewinnen immer von Wiso auf youtube…

Tipp von altergecko

… in einem seiner Gedichte glitzert aus einem auslaufenden Telefongespräch, so wird es Tomas Tranströmer, der schwedische Dichter, erlebt haben, als das Nobelpreiskomitee ihn angerufen hat, siehe Literaturnobepreis 2011

3. Oktober 2011
Das Leben ist zuweilen sehr ungerecht! Der heute frisch gekürte Nobelpreisträger für Medizin Ralph Steinman ist bereits vor 3 Tagen gestorben. Sicher hätte sich Steinman sehr gefreut – nun vielleicht bekommt er einmal eine Art Retro-Nobelpreis.

Stockholm und Harvard, 29. September 2011

Vor Bekanntgabe der großen und offiziellen Nobelpreise wurden jüngst die Preisträger des Alternativen Nobelpreises – der Right Livelihood Award 2011 – und die des etwas durchgeknallten 21. IG-Nobelpreises bekanntgegeben!

Die Termine der Bekanntgabe der Nobelpreise 2011 stehen fest: siehe unter Nobelpreislexikon…

Ein Artikel von Ansgar Bach
für Roald Hoffmann zum 74. Geburtstag

Wer ist, oder, wer war Bernard Katz? Sehr viele Leipziger werden den großen Sohn ihrer Stadt, der 1970 mit dem Nobelpreis für Physiologie und Medizin ausgezeichnet wurde, nicht kennen. Selbst am Universitätsklinikum in der Liebigstraße weiß kaum mehr einer, wo das eigentlich schwer übersehbare Denkmal zu Ehren von Katz steht. Es wurde von dem Bildhauer Markus Gläser geschaffen und im Jahr 2000 im Patientengarten errichtet. Hat Leipzig den 100. Geburtstag von Sir Bernard Katz am 26. März 2011 vergessen? Jedenfalls nahm ich weder in der Tagespresse noch im Rundfunk einen Beitrag dazu wahr. Dabei ist Katz, wenn nicht der einzige, so doch einer der ganz wenigen in Leipzig geborenen Nobelpreisträger, und in Leipzig beginnt seine wissenschaftliche Laufbahn, hier werden seine Forschungen sogar erstmals mit einem Preis ausgezeichnet.

Denkmal für Bernrad Katz im Garten am Bettenhaus Liebigstraße

Denkmal für Sir Bernard Katz im Garten am Bettenhaus Liebigstraße

Bernard Katz hat mit seinen Forschungsergebnissen als Wissenschaftler, er war Neurophysiologe und Biophysiker, ganz entscheidend zum Verstandnis der Funktion unseres Nervensystems beigetragen. Dafür wurde er 1970 zusammen mit Julius Axelrod und Ulf von Euler-Chelpin mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Katz starb am 20. April 2003 in London, wo er die meiste Zeit seit 1935 lebte.

Titel der Denkmal-Inschrift

Titel der Denkmal-Inschrift

Bernard Katz als Schüler und Student in Leipzig

Auf salopp mit „Eine autobiographische Skizze“ betitelten 23 Seiten berichtet uns Katz über seine Zeit in Leipzig. Diese Skizze erzählt seine Geschichte als Schüler, Student und junger Forscher in der Stadt Leipzig im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.

Katz ist Kind einer jüdischen Familie aus Russland. Sein Vater Max Katz, ein Pelzhändler, einst in Mogilew (heute: Mahiljou in Weißrussland) am Fluss Dnjepr aufgewachsen, siedelt 1904  – eine Zeit unsicherer Verhältnisse mit antijüdischen Pogromen, dazu kommt der Beginn des russisch-japanischen Krieges – nach Leipzig über. Leipzig war als international führendes Zentrum im Pelzhandel für den Vater und seine Geschäfte sehr attraktiv. Max Katz führt sein Pelzhandelsgeschäft in der Nikolaistr. 31 (heute: Nachfolgebau). Er heiratet Eugenie Rabinowitz, sie wohnen in der damaligen König-Johann-Str. 13, heute Tschaikowskistraße (Waldstraßenviertel). Die Familie behält die russisch-zaristische Staatsbürgerschaft. Somit kommt Sohn Bernard 1911 als „Untertan des russischen Zaren“ in Leipzig zur Welt. Bernard Katz ist also echter Leipziger, er hat aber nie die deutsche Staatsbürgerschaft besessen. Durch die Oktoberrevolution 1917 wurden die Familienmitglieder plötzlich staatenlos. (1941 wird Bernard Katz in Australien die englische Staatsbürgerschaft erhalten.)
Obwohl der neunjährige Bernard die Aufnahmeprüfung am renommierten Schiller-Realgymnasium in Leipzig-Gohlis mit hervorragenden Noten besteht, wird er abgelehnt. Ein Bekannter berichtete ihm später, dass es nach Auffassung des Direktors dem Ruf der Schule nur abträglich sein [könne], wenn der neue Jahrgang in puncto Leistung von einem russischen Juden angeführt werde. Ohne Probleme kann Bernard Katz jedoch anschließend auf das humanistisch ausgerichtete König-Albert-Gymnasium (zerst. 1943) wechseln, damals in der Parthenstraße 1, Leipzig-Nord. Diese Schule war leicht zu Fuß zu erreichen und Katz erinnert sich: Ich faßte eine Zuneigung zu dieser Schule und denke noch heute mit Dankbarkeit und Sympathie an so manchen meiner alten Lehrer zurück. Von den Lehrern am König-Albert-Gymnasium schätzt er besonders die Sprachenlehrer Hans Leisegang und Hans Lamer. Er [Leisegang] hielt uns dazu an, Wörter und Sätze mit Hochachtung zu behandeln und uns – besonders in schriftlichen Äußerungen – einer glasklaren Sprache zu befleißigen. […] ungeachtet seiner ultrakonservativen politischen Einstellung vermittelte uns Leisegang einen tiefen Einblick in die Entwicklung der deutschen Literatur und Philosophie – von den idealistischen und romantischen Bewegungen bis hin zum dialektischen Materialismus und der Psychoanalyse, und er tat dies in sehr ausgewogener, ja beinahe objektiver Manier. Wegen seiner ausgezeichnetetn Noten kann Katz ein Schuljahr überspringen und schon nach 8 Jahren, 1929, das Abitur ablegen. Der Gymnasiast entdeckt für sich in Leipzig das Theater und die Oper, mit besonderer Vorliebe für die wagnerischen Musikdramen. Dazu entwickelt sich über seinen Freund, Mitschüler und Schachturnierspieler Hans Wydra ein besonderes Vergnügen am Schachspiel: Ich […] suchte nachmittags meistens eines der Leipziger Cafés auf, in denen die Schachspieler sich trafen.

Der Gymnasiast registriert sehr genau den wachsenden Antisemitismus in Deutschland: Ich habe niemals den Schock der Ermordung Walter Rathenaus verwunden, des jüdischen Außenministers, der im Sommer 1922 von antisemitischen Jugendlichen ermordet wurde. Der Prozess fand damals am Reichsgericht in Leipzig statt (der Schriftsteller Joseph Roth, damals in Leipzig, schrieb darüber, vgl. das Buch Literarisches Leipzig). Aus dieser Zeit bleibt Katz auch ein Mitschüler mit dem Namen Rocca besonders unangenehm im Gedächtnis. Dieser Rocca verbreitete das bösartige Gerücht, dass es für eine damals unterirdisch unter dem Markt angelegte Messehalle den Plan gäbe, dass dort die jüdischen Bürger Leipzigs versammelt und „durch eingeleitetes Gas“ getötet werden sollen. Katz sagt dazu: Ich erzähle diese Episode hier, weil sie sich meinem Gedächtnis unauslöschlich eingeprägt hat und schon einen Vorgeschmack jener Ideen lieferte, die in den Köpfen mancher Leute rumorten, bevor sie sie zwanzig Jahre später dann tatsächlich in die Praxis umsetzen konnten.

Im April 1929 nimmt Bernard Katz an der Universität Leipzig das Studium der Medizin auf. Wie schon zuvor am König-Albert-Gymnasium sind es auch an der Leipziger Universität bestimmte, hervorragende Lehrerpersönlickeiten, die Katz‘ Leben bereichern, ihn motivieren und ihn für die Wissenschaft begeistern. Anfangs war es ein sehr beeindruckender Vortrag Professor Victor von Weizsäckers [einem Onkel des späteren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker] über die sozialen Auswirkungen der Fortschritte der Medizin, die Katz zum Erlernen des Arztberufes bewegten. Der Absolvent eines humanistischen Gymnasiums hatte eine vergleichsweise geringe naturwissenschaftliche Vorbildung, er musste nun die Vorlesungen in Botanik, Zoologie, Chemie, und Physik besuchen. Er hat das große Glück die Physik in Leipzig bei Peter Debye [Nobelpreis für Chemie 1936, ab 1940 Cornell-University in Ithaca, NY, USA] zu hören: Seine von Demonstrations-Experimenten begleitete Vorlesung fand allmorgendlich zwischen acht und neun statt. Debye war nicht nur ein großer Wissenschaftler, sondern auch ein begnadeter „Show-Mann“, dem seine Vorlesungen sichtlich Spaß machten. Er hatte eine wunderbare Begabung, Fakten, Ideen und Theorien aufs unterhaltsamste und einprägsamste zu präsentieren. Andere Gelehrte in Leipzig, wie die Medizinhistoriker Henry Sigerist [später an der John-Hopkins-Universität, Baltimore, USA] und Owsei Temkin [folgte Sigerist an die JHU nach Baltimore] weckten in Katz das Interesse für Medizingeschichte. Das Institut für Medizingeschichte [heute: Karl-Sudhoff-Institut, Käthe-Kollwitz-Str. 82] war der Treffpunkt der kultiviertesten unter den Medizinstudenten, dort diskutierten sie über die unterschiedlichsten „medizinischen, historischen und sogar literarischen Themen. Dem Studenten Katz wurde plötzlich die Kraft und Tiefe der großen wissenschaftlichen Entdeckungen bewußt. Katz entwickelt nun auch einen Widerwillen gegen das mir früher so teure, anmaßende philosophische „Spekulantentum„. Lieber  beschäftigte er sich mit den Vorlesungen des großen Physikers Helmholtz [Hermann v. Helmholtz 1821-1894], auch in Katz‘ Augen einer der größten experimentellen Wissenschaftler aller Zeiten, der sich klar gegen Deutschlands romantisches Naturphilosophentum wandte.

Katz und Hund

Bei einem Sommerurlaub zu Anfang der 30iger Jahre an der Ostsee lernt Katz den Leipziger Professor und Physiker Friedrich Hund [Naturwissenschaftler kennen die „Hund’sche Regel“, Hund war 1929-1946 an der Universität Leipzig, später in Göttingen, wo er 1997 starb] kennen. Beide stellen sich feierlich mit „Katz – Hund“ vor, was unter den Studenten allgemeine Heiterkeit auslöste.

Der Student Katz ist sehr fleißig. So berichtet er, dass er sich in dieser Zeit in Leipzig als Wissenschaftsjournalist betätigte und für einen Verleger populäre Artikel über medizinische und naturwissenschaftliche Themen schrieb. Dazu jobbt er noch vor Abschluss des Physikums als Assistent bei zwei Ärzten, die in einer Leipziger Vorstadt eine Gemeinschaftspraxis betrieben. Es sind HNO- und Augenärzte, die Katz schon kleinere Operationen machen lassen, für den Studenten ein extra Taschengeld. Nach seiner Promotion 1934 zum Dr. med. wird Katz auch einige Monate als Medizinalassistent kostenlos am jüdischen Krankenhaus [bis 1938 „Israelitisches Krankenhaus-Eitingon-Stiftung“, Waldstraßenviertel, heute Eitingon-Straße, gehört heute zum Klinikum St.-Georg] arbeiten.

Vor der Emigration

Unter der wachsenden Bedrohung des stärker werdenden Nationalsozialismus schließt sich Katz einer zionistischen Studentenbewegung an. Bevor Katz Deutschland 1935 verlässt, begegnet er im Sommer 1934 im Kurort Karlsbad dem charismatischen Führer der Zionisten Chaim Weizmann [Chemiker und später erster Staatspräsident Israels 1948-1952], Weizmann wird ihm für die Ausreise behilflich sein. Noch ist es nicht soweit.

Nach dem Physikum beginnt Katz seine eigenen Forschungen am Physiologischen Institut in der Liebigstraße in Leipzig, angeleitet von seinem Professor Martin Gildemeister, einem bekannten Physiologen. Zur Neurophysiologie fühlte ich mich bereits ziemlich früh hingezogen, und zwar etwa seit 1930. In jenen Tagen galt die Ergründung der Gesetze der elektrischen Nervenstimulation […] als eine große Sache. Katz erlernt die damals fortschrittlichsten Experimentiertechniken bei dem Leipziger Physiologen Johann D. Achelis, der Katz auch zur Erforschung der „Muskel-Permeabilität“ führt. Obwohl Achelis sich nach 1933 den Nazis als Beamter im Erziehungsministerium angedient hatte [nach dem Krieg publiziert er u.a. zusammen mit Hoimar v. Ditfurth über Verhaltensphysiologie], behält Katz meine Hochachtung vor seinem Charakter. Achelis erkennt schnell die Begabungen und Fähigkeiten von Katz und befördert dessen Weg in die Wissenschaft.

Katz‘ Forschungen finden noch in Leipzig Anerkennung: Meine Teilzeit-Forschungen am Physiologischen Institut in Leipzig führten auch zur Veröffentlichung einiger Artikel in Pflüglers Archiv. Aus diesen Arbeiten baute ich dann im November 1934 meine Dissertation zusammen. Unter ungewöhnlichen Umständen gewinnt Katz 1934 im Rahmen eines Universitätswettbewerbs den „Siegfried-Garten-Preis“, benannt nach dem Physiologen und Vorgänger Martin Gildemeisters in Leipzig. Es gab nur 2 Bewerber auf den Preis, die sich anonym beworben hatten. Katz gewann unter dem unverdächtigen Pseudonym „Johannes Müller“ [nach dem Vater der deutschen Physiologie]. Als bekannt wurde, dass ein „Nicht-Arier“ gewann, wurde verkündet, dass das Preisgeld unter diesen Umständen natürlich nicht vergeben werden könne. Professor Martin Gildemeister überreichte Katz heimlich das Preisgeld kurz darauf unter dem Tisch.

1934 erhält Katz die Anforderung eines Sonderdrucks seiner Publikation über eine seltsame Reaktion des Froschmuskels auf Streckbewegungen, es war der junge Ulf von Euler-Chelpin, der viel später, 1970, zusammen mit Katz mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wird.

Katz liest die Nature-Artikel des damals führenden Physiologen Archibald V. Hill [Nobelpreis für Medizin 1922] in London. Interessiert verfolgt Katz dabei auch die Leserbrief-Duelle zwischen Hill und dem nationalsozialistischen Physiker Johannes Stark [Nobelpreis für Physik 1919] über die Vertreibung jüdischer Wissenschaftler aus Deutschland. Diese Vertreibung bezeichnete Stark als „Schutzvorkehrung gegen eine Einflußnahme unloyaler Kräfte“. Hill dankt Stark spöttisch für den Eingang großer Geldspenden, die auf Starks Thesen zurückzuführen seien.

Archibald V. Hill ist die nächste charismatische Persönlichkeit, die die Zukunft des Wissenschaftlers Bernard Katz fortan bestimmen wird. Im Februar 1935 emigriert Katz nach England. Er wird bei Hill in London seine Forschungen über das Nervensystem höchst erfolgreich fortsetzen.

Bernrad Katz bei der Arbeit im Labor

Sir Bernard Katz bei der Arbeit im Labor

Literatur (hieraus auch alle Zitate kursiv):
Peter Weiß, Peter M. Steiner (Hrsg.): Forschung und Technik in Deutschland nach 1945. Deutsches Museum Bonn. Deutscher Kunstverlag, München 1995

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