10. Juli 2012

Es gilt: Hoch leben die Kläger (von links über Mitte bis rechts!) und das Bundesverfassungsgericht! Der ESM-Vertrag und der Fiskalpakt sind so extrem verfassungsfeindlich und grundgesetzwidrig, dass man wirklich hoffen kann, dass die Verfassungsrichter den Eilanträgen nach eingehender Prüfung stattgeben werden. Sie nehmen sich Zeit, und in dieser Zeit könnte es auch noch in Frankreich Probleme bei der Ratifizierung geben. Hoffentlich bleibt sich auch der Bundespräsident treu und wartet die Entscheidung des höchsten Gerichts ab.

Es lohnt sich, die Verfassungsbeschwerden selbst zu lesen!

Die Klage von Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin und Prof. Dr. Christoph Degenhart mit gut 12.000 Unterstützern!

Die stilistisch auch für Laien gut formulierte Klage von Dr. Peter Gauweiler

Die Klage von Mitgliedern der Fraktion Die Linke

Wir drücken all den Klägern die Daumen! Denn keine Europa-Illusion und kein Euro ist es wert, dass die Demokratie dieses Landes und der Sozialstaat untergraben wird! Die Investoren und Banken sollen selber haften! Demokraten, kämpft und wehrt euch!

So war es heute in einem Kommentar im Daily Telegraph zu lesen: Germans, be smart and stand up for your rights!

Während in Berlin heute, am 29. Juni 2012, die Abgeordneten wie die Lemminge im Hauruckverfahren den demokratie- und verfassungsfeindlichen ESM-Vertrag mit geradezu suizidaler Zweidrittelmehrheit beschließen, wird passend dazu im Leipziger Gewandhaus unter Senecas Worten* Res Severa Verum Gaudium das „Deutsche Requiem“ von Brahms gegeben. Das Konzert wenigstens war großartig!

Der 29. Juni 2012 ist ein historisches Datum: Die Feudalherrschaft der Finanzindustrie kann Ihre Risiken und Schulden nun endgültig auf die Steuerzahler abwälzen. Zumal Merkel – vermutlich noch von Asmussen beraten – die direkte Kreditvergabe vom ESM an Pleitebanken zugelassen hat. Dafür werden die Errungenschaften des Sozialstaates und der innere Frieden des Landes zugunsten von Investorgewinnen leichtfertig riskiert.

Wer sich heute für das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland einsetzt, droht bald schon als Radikaler zu gelten. Der Wert der Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland ist unendlich höher als nur irgendein vereinigtes Europa und unendlich höher als irgendein EURO.

Auch für die Demokratie gilt Res Severa (est) Verum Gaudium! Letzte Hoffnung: Bundesverfassungsgericht. Demokraten wehrt Euch!

*Wahre Freude ist eine ernste Sache (Seneca)

mit demokratischen Jrüßen, Altergecko

oder wollt ihr den Untergang? Ja, derart martialisch schallt es von Regierungsmächtigen und Journalisten zu uns schändlichen Skeptikern herüber, und die BRD soll Europa retten und die ganze Welt mit ihrem Geld… Klingt irgendwie bekannt. Die Hauptdarsteller, selbsternannte Europaideologen in St. Veitstanz-Erregung, von einem bestimmten Typus, der der Welt noch nie so richtig gut getan hat: nämlich vom Typus des deutsch-romantischen Idealisten. Dieser Typus, einst, im frühen 19. Jahrhundert, auch als eine Gegenreaktion auf Napoleon entstanden, tritt in seiner nationalistischen Variante bis heute hauptsächlich als Unwesen in deutschtümelnden Burschenschaften auf. Auch der Größenwahn des einfältigen Kaiser Wilhelm II. und der viel teuflischere Größenwahn eines Dr. Goebbels haben hier ihre Wurzeln. Ihre Marktschreier sind nicht selten promovierte Akademiker… Andere wiederum wurden ewig wahrheitsüberzeugte Prawda-Kommunisten oder sie wurden schließlich Pabst.

Und heute? Mir scheint, dass Politiker wie ein Dr. W. Schäuble oder die Herren J. Trittin und P. Steinbrück oder auch Journalisten wie ein Herr J. Augstein genau aus diesem urdeutsch-idealistisch-morschen Holz geschnitzt sind. Dem durchaus intelligenten Holzwurm wird dabei aber schlecht. Nicht dass diese Lautsprecher sich deutsch-nationalistisch gebärden würden, nein, ihr Weltrettungsuntergangs-Größenwahn äußert sich heute als europachauvinistische Heilsvorstellung, nach dem Motto: entweder alles wird Europa oder alles geht unter. Kurzum: Wollt ihr den totalen Euro? Nur der Holzwurm will den nicht, jedenfalls nicht total, denn er ahnt, da werden welche von den Banken am Nasenring durch die Manege geführt.

Dazu passt nur noch, dass Dr. Schäuble nach erfolgreicher Abstimmung über den ESM-Vertrag wieder laufen kann. Ja, er wird wieder laufen können, und die Räder seines Rollstuhls verwandeln sich in goldene Rieseneuronen, die sich langsam vom Stuhl lösen und schwebend durchs Parlament zum Himmel fahren um dort als Doppelmond über unser aller Schicksal zu leuchten.

…es jrüßt Altergecko

Die beste Idee zum Spiel Deutschland gegen Griechenland hatte wohl immer noch die Truppe von Monty Python:

Leibniz, Kant, Hegel, Nietzsche & Co. (Karl Marx auf der Ersatzbank) gegen Plato, Aristoteles, Sophokles, Sokrates, Epikur & Co. Und wer gewinnt? Anschauen!

http://www.youtube.com/watch?v=ur5fGSBsfq8&feature=youtu.be

Karlsruhe/Berlin, 21.6.2012. Ein Kommentar von A. Bach:
Die größten Gegner der Demokratie in Europa heißen derzeit:
ESM, Fiskalpakt, Eurobonds, Bankenunion, Schuldentilgungsfonds und dergleichen zur Zwangsrettung des Euros und der Banken.
Namentlich heißen die größten Gegner der Demokratie in Europa: Lagarde, Holland, Obama, Schäuble, Trittin & Grüne-Co., Steinbrück &SPD- Co., Westerwelle und seine Gelben und auch Merkel.

Größter Dank gilt der Initiative Bündnis Bürgerwille und dem Bündnis Mehr Demokratie vertreten durch Prof. Herta Däubler-Gmelin und Prof. Christoph Degenhart, die gegen den verfassungswidrigen, diktatorischen Irrsinn eines ESM-Paktes klagen und auch der Partei der Linken, die gegen den Fiskalpakt Verfassungsklage erhebt. Und das ist wirklich politische Ironie: Die demokratischen Sozialisten auf einer Seite mit so einigen sehr, sehr bürgerlichen Demokraten!

Das Bundesverfassungsgericht bittet am 21.6. den Bundespräsidenten wegen dieser anstehenden Klagen um Aufschub bei Unterzeichnung dieser demokratiefeindlichen Verträge (ESM, Fiskalpakt). Bundespräsident Gauck kommt der Bitte nach. Eine letzte Hoffnung?

Europa ist nur als kooperierendes Zusammenspiel souveräner und demokratischer Staaten zu wünschen und nur dann konform mit dem deutschen Grundgesetz. Die Umsetzung eines supranationalen Europa, in dem die einzelnen Staaten Souveränitätsrechte abgeben, ja sogar füreinander haften, ist demokratiefeindlich und in Deutschland verfassungswidrig.

Und die Zwangsrettung des EURO, d.h. die Rettung von Banken, Finanzoligarchen und Großinvestoren, droht angesichts der Verpflichtungen per ESM zu Lasten des Sozialstaates Bundesrepublik Deutschland zu gehen. Dann irgendwann, wenn die Kürzung der Renten und Sozialleistungen mit europäischen Verpflichtungen begründet wird, spätestens dann droht Deutschland eine politisch extreme Radikalisierung. Und Rechtsextreme werden wieder von einer „Dolchstoßlegende“ reden können und vom Verrat der Interessen der Bürger dieses Landes. Es ist nämlich gerade die Rettung des Euros, die unheilvoll wirken kann. Und der größte Quatsch ist der Merkelsatz: „Wenn der Euro fällt, fällt Europa“, dabei hat Deutschland in den letzten 100 Jahren viele Währungen kommen und gehen gesehen. Und vor 2002 ist es auch ohne Euro im EU-Europa sehr friedlich und kooperativ zugegangen.

Ich kenne einige Franzosen, Engländer, Spanier und Italiener: Keiner fühlt sich in erster Linie als Europäer, sehr wohl aber als Franzose, Engländer, Spanier und Italiener. Warum nicht? – das ist auch gut so. Nur deutsche Grünintellektuelle um Trittin, Kohl-Jünger um Schäuble, Banken und Finanzoligarchen, die ihre Verluste sozialisieren wollen, Großkonzerne, die ihre Exporte gerne durch den Steuerzahler garantiert haben wollen, 4-Letter-Magazine wie das bertelsmanngesteuerte SPON samt deren Kolumnisten wie der naive Polemiker J. Augstein oder auf die Katz gekommene Hundts kommen auf so einen gefährlichen Quatsch wie die Abgabe der nationalen Souveränität, der fundamentalen Basis der Demokratie und des Grundgesetzes. Und vom EURO hatte der Normalbürger in der BRD bislang keinerlei Vorteile, sondern nur Lohnsenkungen.

Im sogenannten „Gouverneursrat“ des ESM sollen die entscheidenden Akteure Immunität (vgl. unten Text ESM-Vertrag) genießen, damit ist der ESM nichts anderes als ein potenziell kriminelles und diktatorisches Mafiagremium. Schäuble mit seiner zwanghaft demokratiefeindlichen Europaideologie maßt sich sogar an, das deutsche Verfassungsgericht als „nicht klug“ (also dumm!) zu verunglimpfen, weil es Bundespräsident Gauck um Zurückhaltung bei Unterzeichnung der grundgesetzwidrigen Verträge zum Fiskalpakt und ESM bewegt hat.

Hoffen wir, dass das Verfassungsgericht den EURO-Wahn, zumindest aber ESM, Fiskalpakt, alle Varianten an Eurobonds und eine Bankenunion stoppt. Bundespräsident Gauck, der selbsternannte Freiheitsapostel, muss im Namen der freiheitlichen Demokratie seine Unterschrift unter ESM-Gesetze verweigern.

Denn: Europa ist ein Verlust an Demokratie nicht wert, so ein Preis ist zu hoch. Falls nicht: Auch Demokraten können kämpfen.

Daher: zunächst Verfassungsbeschwerde

Der ESM-Vertrag ist diktatorischer Natur, u.a. wegen seiner Immunitätsklauseln (Auszüge Originaltext kursiv):

  • Im Interesse des ESM genießen der Vorsitzende des Gouverneursrats, die Mitglieder des Gouverneursrats, die stellvertretenden Mitglieder des Gouverneursrats, die Mitglieder des Direktoriums, die stellvertretenden Mitglieder des Direktoriums sowie der Geschäftsführende Direktor und die anderen Bediensteten des ESM Immunität von der Gerichtsbarkeit hinsichtlich ihrer in amtlicher Eigenschaft vorgenommenen Handlungen und Unverletzlichkeit hinsichtlich ihrer amtlichen Schriftstücke und Unterlagen.
  • Der ESM, sein Eigentum, seine Finanzmittel und Vermögenswerte genießen umfassende gerichtliche Immunität.
  • Das Eigentum, die Finanzmittel und Vermögenswerte des ESM sind unabhängig davon, wo und in wessen Besitz sie sich befinden, von Zugriff durch Durchsuchung, Beschlagnahme, Einziehung, Enteignung und jede andere Form der Inbesitznahme, Wegnahme oder Zwangsvollstreckung durch Regierungshandeln oder auf dem Gerichts-, Verwaltungs- oder Gesetzeswege befreit.
  • Die Räumlichkeiten des ESM sind unverletzlich.
  • Die Archive des ESM und sämtliche Unterlagen, die sich im Eigentum oder im Besitz des ESM befinden, sind unverletzlich.  usw.!

Video zum ESM-Vertrag

Den vollständigen Text des wahnsinnigen ESM-Vertrages finden Sie u.a. auch auf den guten Nachdenkseiten.

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Für den ESM mit seinem 700 Mrd €-Versprechen zzgl. xxl € in Zukunft sind noch keine Scheine erhältlich...

Eine chemisch-literarische Erinnerung an Primo Levi (31.7.1919 – 11.4.1987)

von Ansgar Bach

Ein anderer großer Schriftsteller, nämlich der Mediziner Anton Tschechow, schrieb einmal: „Für Chemiker gibt es auf der Erde nichts Unreines. Der Schriftsteller muss genauso objektiv sein wie der Chemiker; er muss sich freimachen von der Subjektivität seines Alltages und wissen, dass die Misthaufen in der Landschaft eine sehr beachtliche Rolle spielen, und dass böse Leidenschaften dem Leben ebenso eigen sind wie gute“. * – Tschechows Worte treffen genau in die Gedankenwelt des Schriftstellers Primo Levi.

Primo Levi war Chemiker, Schriftsteller und Überlebender von Auschwitz. Sein Buch Das periodische System ist eine außergewöhnliche Autobiografie. Sie scheint unter dem Motto „Chemie küsst Literatur“ geschrieben worden zu sein, wobei das Periodensystem der Elemente in einzigartiger Weise der Ordnung der Erzählung eines an Brüchen reichen Lebens dient:

Im 3. Kapitel, Zink, nähert sich der ungemein schüchterne Chemiestudent Primo im Labor einer Kommilitonin: „Ich trat zu ihr und bemerkte mit einem Anflug von Freude, dass sie die gleiche Suppe kochte wie ich […]“. Gekocht, d.h. hergestellt, wurde Zinksulfat und „zwischen Rita und mir gab es in dem Augenblick eine Brücke, ein Brücklein aus Zink, schmal aber begehbar; los, tu den ersten Schritt“. Während er um sie „herumschwirrte“ entdeckt er in ihrer Kitteltasche sein „Leib-und-Magen-Buch“: Der Zauberberg von Thomas Mann. Zwischen den beiden Studenten wird es allerdings nicht so aufregend zugehen, wie zwischen den Romanprotagonisten Hans Castorp und Madame Chauchat, vielleicht auch daher, weil Rita „diesen Roman ganz anders las“.

Als von Levi bewusst eingesetztes Bild verweist das Zink auf eine weitergehende Betrachtung: Zinksulfat entsteht durch Reaktion von Zink mit Schwefelsäure, doch wenn Zink „sehr rein ist: dann widersetzt es sich hartnäckig jeder Verbindung“. Und Levi fährt fort: „Man konnte daraus zwei einander widersprechende philosophische Schlussfolgerungen ziehen: das Reine preisen, das wie ein Schild vor dem Bösen schützt; oder das Unreine preisen, das den Weg freigibt zu Veränderungen und damit zum Leben. Ich verwarf die erste, widerwärtig moralische und verweilte bei der Betrachtung der zweiten, die mir näher lag“.  Chemisch behilft man sich mit Kupfersulfatlösung als notwendige Verunreinigung: „tu einen Tropfen davon an deine Schwefelsäure und sieh, wie die Reaktion beginnt: das Zink wird rege, bedeckt sich mit einem weißen Mantel aus Wasserstoffbläschen, da haben wir’s, der Zauber ist vollbracht […]“.

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Bon Anniversaire, Fréderic!

Von Altergecko. Berlin, 24. Januar 2012

Ob Marilyn M. dem Friedrich II. auch so ein schön subkutan-erotisches „Happy Birthday, Dear President“ eingehaucht hätte, wie einst ihrem Jack? Don’t ask me! Quelle question! hätte Friedrich nach einigen Umdrehungen in der Gruft wohl ausgerufen (und seine 7 Köter hätten in ihren 7 Gräbern aufgejault). Nun, das ist Spekulation! Falls aber Marilyn gut und dicht behaarte Beine hatte, wer weiß, John F. alias Jack wußte es bestimmt, denn er durfte vielleicht einmal den Schaum für die Rasur aufpinseln, ja dann hätte Friedrich sie sicher wie einst schon seine erste Tänzerin, die aus Venezien geraubte Baberina, bewundert. Wegen der behaarten Beine natürlich, das hat uns bereits Voltaire verraten.

Warum nur nennt man Friedrich II. den Großen? Nun, Friedrich hat in Preußens und Saupreußens Orchester die Erste Flöte gespielt. Ja, Friedrich war ein großer Flötenvirtuose, der abends nur zu gern im Schlosse Sans Souci selbst Komponiertes während seiner musikalischen Soiréen zum Vortrag gab. Die Abende im Schloss waren der Kunst, der Musik gewidmet, jut jemalt von Adolph von Menzel und auf den Tasten beklimpert von Carl Philipp Emanuel Bach.

Menzels berühmtes Bild vom Flötenkönig

Menzels berühmtes Bild vom Flötenkönig

Friedrich war also die Erste Flöte und ein großer Flötenvirtuose und, seinen inneren Neigungen gemäß, ein leidenschaftlicher Queer-Flötist. Und so ging es schon morgens, undzwar ganz früh schon, sommers stand der König um 5 Uhr auf, ganz ohne Sorge und herzhaft zur Sache: Nach dem Kaffee, so berichtet uns wiederum Voltaire, „huldigte der Stoiker für ein paar Augenblicke der Sekte Epikurs“. Aber nur ein paar Augenblicke, sonst hätte womöglich noch die Konzentration auf die Kriegsführung gelitten. Friedrich ließ dazu kurz nach dem Aufstehen seine schönsten Favoriten, allesamt junge Pagen und Kadetten, antreten. Und was dann? Voltaire fährt fort: „Derjenige, der das Taschentuch zugeworfen bekam, blieb eine Viertelstunde mit dem König allein.“ Damit wir jetzt bloß nicht an eine märkische Orgie denken, bremst Voltaire sofort unsere schon ausschweifende Fantasie: „Es kam dabei nicht bis zum Äußersten; da der Prinz zu Lebzeiten seines Vaters [Friedrichs Papa war der gestrenge Soldatenkönig] bei seinen flüchtigen Liebschaften ziemlich malträtiert und schlecht geheilt worden war; die erste Rolle konnte er nicht spielen, er musste sich mit der zweiten begnügen.“ Diese verdammte von-Katte-Geschichte, hat unsern König fast janz kaputt jemacht.
Warum steht das nicht in den Geschichtsbüchern?! Grrr! Summa: Friedrich war zwar der Große, konnte aber die erste Rolle nicht spielen, so’nen Mist aber auch!

Nein, das ist nicht alles: Friedrich war ja auch Bärlins großer Auftraggeber in Sachen Bauwerke, allerdings, und da wäre dem großen Friedrich-Verehrer Heine Recht zu geben: oft schnurgerade und „meistens nach dem Eigenwillen eines Einzelnen“ gebaut. Aber Heine hatte ja zu seinem Glück noch das „geistige Berlin“ erleben dürfen, jibt’s nischt mehr, heute.

Nein noch mehr: Friedrich war aufgeklärter Absolutist, wenngleich das an und für sich genommen schon etwas widersprüchlich anmutet. Das beste Bild, was man sich da vom sogenannten „Aufgeklärten Absolutismus“ machen kann, bietet die Reiterstatue Unter den Linden: Lessing und Kant schön unter dem Schwanz eines Bronze-Gauls gruppiert auf dem Friedrich II. hoch zu Ross einfach drauf rumreitet.

Friedrich ist für die meisten aber groß, nicht der Flöte wegen, nicht der Aufklärung wegen, sondern weil er die heruntergekommene Mark mit ein paar frechen und durchaus brutalen Kriegen zu jenem Saupreußen gemacht hat, das die Bayern (und die Österreicher) so lieben, und die verweichlichten Sachsen-Auguste natürlich auch, die dabei mächtig gestutzt wurden. Naja, sonst wär‘ Berlin wohl noch schwedisch geworden, oder mein Gott, polnisch gar oder sogar österreicherisch! Ein Österreicher folgte F II ja gewissermaßen später noch auf den Thron… eine andere, schreckliche Geschichte.

Noch einmal alle zusammen: Bon Anniversaire, Fréderic!

Alle Zitate aus: Berlin. Ein literarischer Reiseführer. WBG, Darmstadt (2007)

Tip: Das Gedicht „Alter Fritz für die Katz“ von Peter P. Neuhaus

Ein Kulturtipp ersten Ranges kann nun vom 9.-29. Januar 2012 wieder für Leipzig gegeben werden:

Jedes Jahr reist die berühmte Wanderausstellung preisgekrönter Pressefotografie um die Welt von Rio bis, ja bis nach Leipzig. In Leipzig schließlich kommt sie – etwas spät, aber sie kommt – im Januar des Folgejahres an. Dieses Jahr werden die vom Wettbewerb World Press Photo Award 2011 ausgezeichneten Pressebilder vom 9.-29. Januar 2012 im Leipziger Hauptbahnhof ausgestellt. Urheber des Fotowettbewerbs ist die bereits 1955 in den Niederlanden gegründete und gemeinnützige World Press Photo Foundation.

Die ausgewählten Fotos von Pressefotografen aus aller Welt wurden in 10 verschiedenen Kategorien mit Preisen bedacht, darunter die Bereiche „Harte Fakten“, „Portraits“, „Sport“, „Alltagsleben“, „Natur“ oder „Kunst und Kultur“. Dazu gibt es das Foto des Jahres, das inzwischen weltbekannte Portrait des verstümmelten afghanischen Mädchens Bibi Aisha, gemacht von der südafrikanischen Fotografin Jodi Bieber.

Der Leipziger Hauptbahnhof, ansonsten eine Ansammlung der üblichen Verkaufsstellen für Durchreisende und Sonntagseinkäufe, ist also im Januar ein Tempel der Kultur. Die Ausstellung beweist auf wunderbare Weise, wie unendlich groß der Gap zwischen der Konsumverblödung des Mainstreams und echter Kultur ist.

Es ist nicht nur das Foto des Jahres, viele andere Fotos stimmen den Betrachter nachdenklich, faszinieren, überwältigen: Darunter Menschen in demütigenden Situation, die von Google Street View aufgenommen wurden, oder die Aufnahme eines Toreros, nämlich Spaniens Star-Matador Aparicio, in ballettartiger Konstellation mit seinem Stier, wobei letzterer sein Horn dem Gegner durchs Gesicht bohrt, sowie viele weitere ungeheuerliche Bilder mehr.

Was bleibt: Hingehen und selbst anschauen vom 9.-29. Januar 2012 im Leipziger Hauptbahnhof.

http://www.worldpressphoto.org/winners/2011

Wenn Theater im Theater gespielt wird, dann klingt das zuerst nach Nabelschau oder gar nach Selbstbeweihräucherung. Aber keineswegs bei Die Sonne von Olivier Py an der Berliner Volksbühne. Das Stück und die Inszenierung ist nicht nur gut, weil es eine wichtige Frage der Gesellschaft, Wozu Theater?, unverblümt thematisiert, so auch weil es von besten Schauspielern in traditioneller Sprechtheatermanier großartig erspielt wird.

Die Geschichte kreist mehr oder weniger um den Theaterautor Josef mit seinem Stück, dessen Hauptdarsteller Axel, mit dem Intendanten, dem Ensemble und mit der gesamten Theaterfamilie mit allen skurrilen Auswüchsen, Schattierungen und Verwirrungen. Und sie handelt von einem neuen Stück von Axel. Josefs Stück wird alsbald vom Intendanten wegen eines handfesten Streits zwischen ihm und Axel um Demokratie, vor allem in der Kunst, abgesetzt. Demokratie, Gesellschaft und Theater – wie steht das zu einander? Und da hinein wird unvermeidlich die alte unlösbare Zwiespältigkeit von dionysischem und apollinischem Charakter gelegt, manifestiert durch Hauptdarsteller und Autor. Alles mächtig gewürzt mit dem Beiwerk der familiären Verflechtungen und dem allbekannten Beziehungschaos. So zum Beispiel Elena, die Mutter des Autors, die zuerst mit dem Hauptdarsteller und später mit dem Hippster Bobby liiert ist. Dabei werden die heutigen Dinge, das moderne Großstadtleben in wunderbar erfrischender Weise karikiert.

Olivier Py, Intendant des Odeon-Theatre de l´Europe in Paris und zukünftiger Direktor des renommierten Theaterfestival d´Avignon, hat das Stück eigens für die Volksbühne Berlin geschrieben. Ein wirklich gutes und nachdenkliches Stück. Dazu hervorragend von ihm inszeniert mit einem ausgefallenen Bühnenbild (Pierre André Weitz), welches mehr oder weniger ständig in Bewegung ist. Aber allen voran sind es klasse Schauspieler: Sebastian König (Axel), Uwe Preuss (Intendant), Ilse Ritter (Elena, die Mutter von Josef), Lucas Prisor (Josef), Claudius von Stolzmann (Bobby) und die anderen natürlich auch. Dazu und zwischen den Szenen gibt es Musik von Mathieu el Fassi, virtuos von Sir Henry am Klavier interpretiert.

Das Stück ist eine Mischung von Erziehungstheater (erinnert stellenweise an das Brechtsche Theater), Komödie, und Klamauk. Ja, manchmal schien der eine oder andere Moment etwas platt, aber es wurde nie langweilig. Es blieb in den 3 ½ Stunden spannend bis zum Schluss. Und das will heute schon etwas heißen, wo wir doch fast meinen, nur noch bei Geschrei und Effekten aufmerksam zu sein. Nach der Pause gab es kurze Längen, die aber mehr oder weniger schnell vergingen. Nun, etwas weniger Nacktheit würde dem Stück kein Abbruch tun, das aber am Rande.

Als Bobby endgültig die Mutter verlässt, da hätte auch Schluss sein können. Hätte, aber der abschließende Bogen mit einem Monolog des Hauptdarstellers Axel und seinem originellen Abgang in den Zuschauerraum, brachte ein großes, nahezu kathartisches Ende. Bei aller Konkurrenz zum Kino mit momentan vorzüglichen Filmen, zeigt hier Die Sonne mit seinem anspruchsvollen Thema und der greifbaren und lebendigen Spielweise, dass Theater heute in der Gesellschaft mindestens so berechtigt und notwendig wie das Kino oder die anderen Künste ist. Wozu Theater – also eindeutig geklärt.

Volkmar Schlutter

http://www.volksbuehne-berlin.de/praxis/die_sonne/

Eine Forschergruppe um Etymologinnen und Etymologen aus Neufundland konnte jüngst in einer weltweit beachteten Studie zeigen, dass sich „Elite“ nicht wie Wikipedia immer noch behauptet vom lateinischen „electus“ (dt. verwählt) abstammt, sondern dass „Elite“ sich vom gut altfranzösischen crétin (dt. Schwachkopf, -köpfin, pl. -köpfe) ableitet. Die Beweisführung der Wissenschaftler aus Neufundland ist dabei mehr als plausibel und zeigt die große Schnittmenge (i.d.R. 99%), die zwischen Elite und crétin besteht. Natürlich sind nicht alle Details der komplexen Studie dem gemeinen, nicht wissenschaftlich gebildeten Menschen verständlich, nichts desto trotz konnte bewiesen werden, dass das gemeinsame „t“ und das gemeinsame „i“ und auch das fast gemeinsame „e“, letzteres liegt bei crétin etwas fransösisiert vor, Hinweis genug für den gemeinsamen Ursprung von Elite und crétin sind. Nun, der ehrlich fühlende Bürjer wusste es eh schon, zumindest seit 1789, det Bauchjefühl hats nämlich immer schon verraten, das Elite aus crétin besteht.  Desto unverständlicher finden viele, dass Merkels und andere geliebte FDJ-Obere, Wulffs, Ackermanns, auf die Katz gekommene Hundts oder gar der Babst (sächs.) mit Frau Käßmann von manchen als „Elite“ bezeichnet werden, dette wäre ja dann so richtig schlimme Majestätsbeleidigung. Den Babst und die Frau Käßmann insbesondere dürfte es auch ärgern, dass crétin sich etymologisch vom lateinischen „christianus“ herleitet.

mit jrüßen von altergecko

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