Die Frankfurter Rundschau meldete heute Insolvenz an. Nun ja, eine demokratisch-linksliberale Haltung – und dafür stand ja einst die FR – war auch dort (seit 2006 Dumont-FR) kaum noch zu finden, eher: quadratisch, praktisch, charakterlos. Mal schau’n, welche Zeitungen nächstes Jahr folgen.

Griechenland ist seit Jahren pleite und wird es trotz aller Zahlungen an die Banken in Zukunft auch bleiben. Hätte man das volle Risiko gleich zu Anfang bei den Investoren gelassen und vor zwei Jahren schon die Drachme wieder eingeführt, dann könnte Griechenland heute wieder Fahrt aufnehmen. Nur so naive wie fanatische Wirtschafts- und Europaideologen, wie sie derzeit die Politik bestimmen, konnten einen Rettungswahn veranstalten, der nicht den Frieden in Europa fördert sondern das genaue Gegenteil provoziert.

Der Verfassungsschutz ist schon seit Jahrzehnten pleite, moralisch gesehen. Geld für V-Nazis war ja immer da. Hier wurde gleich der gesamte demokratische Anstand geschreddert. Man fragt sich, wer über mehr V-Leute verfügt, der Verfassungsschutz bei den Nazis oder die Nazis beim Verfassungsschutz? Letzteres wird wahrscheinlicher. Nur: Wer schützt dann die Verfassung vorm Verfassungsschutz?

Und wer geht zukünftig noch alles pleite? Viel, sehr viel. Vielleicht schafft es der BBI-Airport ja sogar noch vor Betriebsbeginn. Das sind ja echte Planungsprofis in Berlin, meine Jüte, aber auch egal. Schlimmer wäre, wenn die Demokratie im EU-Wahn pleite gehen würde. Schon gibt es Projekte wie „Clean-IT“ (bitte selber googeln), die versalzen nach Zensur schmecken – aber anderes Thema.

Soyez libres, vivez!
Altergecko

Von der SU lernen, heißt siegen lernen! Tä, tätärä! Ach, Quatsch, EU muss es ja heißen. Also nochmal: Von der EU lernen, heißt siegen lernen. Wo gerade die SU mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, ach, wieder Quatsch! EU muss es ja heißen. Ja, die EU hat den noblen Preis für Frieden bekommen, obwohl der Krach um den Euro jedenfalls verbal, zumindest von den Befürwortern, fast kriegerische, jedenfalls martialische und janz un‘ jarkeene peacigen Töne anschlägt. Naja, und die mit Privilegien wie einst nur der Adel sie kannte vollgepumpte EU-Politiker-Lobbyisten-Beamten-Elite bekommt jetze noch det Krönchen eines Friedensnobelpreises uffjesteckt. Echt ey. Der EU-Bürjer hat mal wieder nix davon. Ich hätte ja vorgeschlagen, nur dem EURO als Währung den Friedensnobelpreis zu verleihen, weil‘ dette dann vermutlich noch weiter die Zinsen für anjeschlagene Staaten jesenkt hätte. Wie auch immer, Kohl freut sich riesig, Schäuble och, beide werden das bestimmt nicht zusammen feiern, was uns auch komplett- und schnurzegal ist.
Und das Preisgeld? Immerhin ca. 930.000 Kullereuros, jut das ist heute so gut wie nix mehr, aber dann können wir die ja als barmherzige Friedensgabe dem ESM drauflegen.

Und jetze nochmal im Chor: Von der EU lernen, heißt siegen lernen!

Mit demokratischen Jrüßen,
Altergecko

P.S. Für jüngere Leser: SU = Abkürzung für ehemalije Sowjetunion (und die will och keener mehr haben)

Stockholm, 12. Oktober 2012,

Schon vor der öffentlichen Bekanntgabe hatte der Norwegische Rundfunk bereits um 10:00 Uhr gemeldet, dass der diesjährige Friedensnobelpreis an die Europäische Union geht. Tatsächlich – so war es. Weitere Information bei nobelpreislexikon.de.

Stockholm, 11. Oktober 2012

Der chinesische Schriftsteller Mo Yan ist der Literaturnobelpreisträger 2012. Der Autor erhält den Nobelpreis für den magischen Realismus seiner Erzählungen und Romane (bekannt z.B. der verfilmte Roman Das rote Kornfeld). Weitere Informationen auf Nobelpreislexikon.

Macht korrumpiert, das ist janz jemeiner Jemeinplatz und nix Neues nirjendwo. Und seit Jahrtausenden läuft Korruption gleichmustrig. Zwei Spieler hat das Spiel, und ’ne Bananenrepublik als Spielbrett: Also, da ist eine reiche Institution und ein potenziell einflussreicher Politiker. Nun will man den Politiker für die Sache der Institution gewinnen. Dazu müssen sich beide Spieler sympathisch sein. Sympathie wird leicht mit Gewährung von Vorteilen erreicht. Am einfachsten ist, man steckt dem Politiker Bananen zu. Die Korruption soll nun aber beim dummen Volk keinen Korruptionsverdacht (= Neid, = Aufstandsgefahr) erregen. Also wird eine „Gegenleistung“ verlangt. In der Regel handelt es sich um Beraterverträge, oder noch einfacher um schlichte Vorträge.  Etwa so:
Banker J von Bank D will dem Politiker P 60.000 Bananen zukommen lassen. Man duzt sich schon. Dafür sollte es aber drei Vorträge zu 60 Minuten zzgl. 30 Minuten Zwangssektempfang geben, einen Vortrag zu 20.000 Bananen in der Zentrale von D, der gleiche Vortrag für 20.000 Bananen in der Filiale X von D und noch so’nen Vortrag zu 20.000 Bananen in der Filiale Y von D. Dabei darf es sich immer um den gleichen Vortrag handeln, soll ja nicht zu viel Arbeit machen. Im Report gibt der Politiker öffentlich an, drei Vorträge in Kategorie 3 (über 7000 Bananen) gehalten zu haben.
Das wird in Bananenrepubliken immer so sein. Kennen auch wir nicht anders. O.k., wenn das Volk es unbedingt will, kann es die Spieler auch mal zwangsaustauschen. Dann gibt es Gurken.

Vortragsbananen

so viele und noch mehr Vortragsbananen (Bild: Steve Hopson)

Und die Moral von der Jeschicht‘: ätsch, die jibt es nüscht. Ach, noch was: Janz verwegene Vortragshonorarbananenempfänger behaupten gar, Transparenz gäbe es nur in einer Diktatur, und als Interessenvertreter seien sie ja schließlich auch keine Knechte des Kapitals. So viel Bananenweisheiten ergeben immerhin reichlich rutschigen Schalenmist.

Heute, am 27. September 2012, wurden drei Personen und eine Organisation mit dem Alternativen Nobelpreis – dem Right Livelihood Award – für das Jahr 2012 ausgezeichnet. Bei unserem Partnerportal nobelpreislexikon.de  gibt es weitere und gute Informationen zu den Preisträgern und zum Alternativen Nobelpreis.

Neulich ging ich (altergecko) mal wieder die Linden entlang, der geschäftigen Hauptstadtmeile, umwimmelt von Touristen, fleißigen Dienstleistern in ihren Fahrradtaxis und Autos, die ihre Umwege um die U-Bahn-Baustelle an der großen Kreuzung suchten. Schon etwas fußmüde hatte ich das Glück noch einen Platz in einem Café zwischen dieser Kreuzung und den Haupthäusern der Entscheidungsträger zu finden. Es war Mittagszeit, das Café war brechend voll, denn die Diäten-Nomenklatura hatte Mittagspause. Die Apparatschiks und Apparatschika nebst sonstiger selbstaufgefasster Elite des neofeudalen Kapitalzeitalters gröhlten lautstark und selbstgefällig an ihren Tischen, nur gelegentlich konnte der aufmerksame Zuhörer dazwischen das leise-listige Kichern eines Lobbyisten oder einer Lobbyista vernehmen, und der aufmerksame Riecher dazu den Mundgeruch. Trotz Rauchverbot wurde die viel gerühmte Berliner Luft jetzt doch sehr stickig. Da fiel mir ein, dass einst vor 190 Jahren der Student Heinrich Heine hier spazierte und so schön zutreffend feststellte, dass es denn überhaupt in Berlin keinen Pöbel gibt, außer etwa in den höchsten Ständen. Wie sich die Zeiten in den ausschlaggebenden Dingen doch immer treu geblieben sind.

Ausschlag-gebend

Berliner Luft: Ausschlag-gebend

Wie schön, haben doch die Kläger um Däubler-Gmelin und den Verein „Mehr Demokratie“ (mit über 37000 Unterstützern), Gysi für die Partei „Die Linke“ sowie Gauweiler und weitere – welch herrliches Spektrum! – immerhin das Allerschlimmste vorläufig verhindert. Das Urteil des Verfassungsgerichts ist eine Ohrfeige für Merkel, Schäuble und all die lesefaulen Bundestagsabgeordneten, die für den ESM und den Fiskalpakt abgestimmt haben, und auch für 4-Letter-Magazine wie SPON. Wie konnte es soweit kommen, dass eine 2/3 Mehrheit aus CDUCSUSPDGRÜNEFDP so verfassungsfeindlich abgestimmt haben? Mit Verfassungsfeinden waren bislang eigentlich nur Rechtsradikale oder Stalinisten in den Sinn gekommen. Muss nun darüber nachgedacht werden, wer noch alles dazu gehört? Die Demokraten und Verfechter für das Grundgesetz und damit für die Souveränität der Republik werden weiterkämpfen, mit weiteren Klagen, in Zukunft auch mit Aufrufen zu Demonstrationen und hoffentlich auch mit Parteigründungen. Es bleiben viele Aufgaben: So muss z.B. die Errichtung einer wahnwitzigen Bankenunion verhindert werden, wahnwitzig ist die ja aus Sicht des Club-Med inkl. Frankreich natürlich nicht, sondern nur knallharte Interessenpolitik gegen die Bürger dieses Landes.
Und es muss weiter klar gestellt werden, dass Länder weniger mit Sparprogrammen wettbewerbsfähig werden als vielmehr mit ihrer eigenen Währung. EZB-Anleihenkäufe sind nur Zinsnebel und bewirken keine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit.
Und zum Abschluss noch ein Hinweis von Nietzsche, den sich Europaideologen hinter die Ohren tätowieren lassen sollten: Es ist verrätherisch, wenn Jemand nach Größe strebt. Die Menschen der besten Qualität streben nach Kleinheit.

Mit demokratischen Jrüßen,
Altergecko

Noch einmal schlafen und dann treten die 8 Wesen mit den roten Roben auf, Nikoläuse mit ESM im Sack oder Ruprechte mit wedelnder Grundgesetzrute in der Hand, um die Politiker/Innen für ihre Verfassungsstreiche zu strafen. Aber heute ist ja erst der Abend des 11. September, möglicherweise eine Art Nine-Eleven für das Grundgesetz.
Morgen werden wir den Richterspruch hören: Ja aber oder vielleicht doch eher ein Nein? Eigentlich könnten die Richter ESM und Fiskalpakt ja stoppen, kein Problem, die EZB macht es dann auf ihre Weise.
Die Richter sind sich hoffentlich im Klaren darüber, wie verfassungsfeindlich Schäuble und Merkel agieren um Investorengewinne zu retten und Investorenverluste zu vergemeinschaften, ach ja, sie sagen, den Euro, gar Europa zu retten.

Merkel und Schäuble haben nie viel Aufsehen um das Grundgesetz gemacht, der eigentlichen Identität der Bürger dieses Landes. Erinnern wir uns, was Merkel am 16. Juni 2005 zum 60. Geburtstag der CDU geäußert hat:

„Politik ohne Angst. Politik mit Mut – das ist heute erneut gefragt. Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit. Unsere Werte müssen sich auch im Zeitalter von Globalisierung und Wissensgesellschaft behaupten. Und wenn sie sich behaupten sollen, dann müssen wir bereit sein, die Weichen richtig zu stellen. Auch da sind wieder Widerstände zu überwinden. Es sind wieder Prioritäten zu setzen. Ist dem Wichtigen der Vorrang vor dem weniger Wichtigen zu geben.“*

Aber gerade dieses Merkel-Verständnis von Werten muss jedem Demokraten Angst machen. Wiederholen wir den entscheidenden Satz der Kanzlerin der BRD: Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit. (Dr. Angela Merkel)
Man könnte einwenden, der Satz stehe für die Notwendigkeit, dass Werte wie Demokratie und Soziale Marktwirtschaft immer von neuem erkämpft werden müssten.  Tatsächlich klingt hier aber eher die propagierte Notwendigkeit einer Verschiebung von Werten in der globalisierten Welt an, nach dem Motto: So ein uraltes Grundgesetz bringt uns nicht mehr weiter und soviel Demokratie wäre doch des Guten zuviel.

Und natürlich haben wir einen Rechtsanspruch auf Demokratie, andernfalls sieht das Grundgesetz das Widerstandsrecht vor. Hoffen wir, dass die Richter wissen, was Merkel denkt und sagt.

Mit demokratischen Jrüßen,

Altergecko

*Quelle der Merkel-Rede: http://www.cdu.de/doc/pdf/05_06_16_Rede_Merkel_60_Jahre_CDU.pdf >>Das Dokument wurde inzwischen von der CDU an dieser Stelle entfernt!>> Daher empfehlen wir nun den youtube-Link: http://www.youtube.com/watch?v=oHQc3tltKkU

Berlin, 2.8.2012
von Ansgar Bach

Jüngst – am 30.7. im Handelsblatt – hat der Euro-Skeptiker Hans-Olaf Henkel darauf hingewiesen, dass die Einführung des Euro gewissermaßen eine französische Bedingung zur Zustimmung Frankreichs zur deutschen Wiedervereinigung gewesen sei. Angesichts der nun völlig aus dem Ruder laufenden Euro-Krise fordert Henkel schon im Titel: Frankreich-Deutschland: Scheidung nötig!

Aber wie war das eigentlich mit der Bedingung als Zustimmung zur Wiedervereinigung?
Tatsächlich ist nicht nur die Einführung des Euros sondern das gesamte Bestreben nach europäischer Supranationalität ein Resultat der Angst Frankreichs, Englands und anderer europäischer Staaten (nicht der USA, nicht der Sowjetunion) vor einer Wiedervereinigung Deutschlands, wie sie sich nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989 schnell ankündigte. Insbesondere Thatchers England und Mitterands Frankreich sahen sich von einem erstarkten Deutschland, das Europa ökonomisch wie politisch dominieren würde, bedroht.
Wenn man sich heute an die Zeit zurückerinnert, so kämpften nicht nur Frankreich und England hoffnungslos gegen die unaufhaltbare Wiedervereinigung, auch innerhalb Deutschlands wandten sich in der BRD die Mehrheit der Grünen, der linke Flügel der SPD sowie eine Reihe von Künstlern und Kulturschaffenden reflexartig gegen eine Wiedervereinigung, und in der DDR propagierten viele Gegner der Wiedervereinigung den sogenannten „Dritten Weg“. Gemeinsam erschien Ihnen die Angst vor dem erneuten Entstehen eines nationalistischen Deutschlands als Gefahr für die Welt. Und gemeinsam mit Mitterand hielten sie sich lieber an die Worte des Schriftstellers François MauriacJ’aime tellement l’Allemagne que je préfère qu’il y en ait deux.*
Doch die Gesetze der Ökonomie und der Wunsch der Mehrheit der Bevölkerung drangen auf die dann im Oktober 1990 erfolgte Wiedervereinigung.
Kanzler Kohl hat die Welt bereits Ende November 1989 mit seinem 10-Punkte-Plan – ein zu so frühem Zeitpunkt völlig unerwarteter Schachzug – überrascht. Die Angst Frankreichs und anderer Staaten hat er sofort zu spüren bekommen (Mitterand ehrte bald darauf die DDR zu ihrem Erstarken mit seinem Besuch, Thatcher wandte sich geradezu hasserfüllt gegen eine mögliche Wiedervereinigung).
Mit einer Wiedervereinigung standen folgende Möglichkeiten im Raum: Entweder ein deutsches Europa (= Bedrohung) oder ein europäisches Deutschland. Somit verschönerte Kohl die angestrebte Wiedervereinigung als Beruhigungspille mit der Idee, ein wiedervereinigtes Deutschland würde bald eingebettet sein in ein vereinigtes Europa (auch mit Aussicht auf eine gemeinsame Währung). Im Grunde hatte Kohl – und nicht nur er – auch daran geglaubt. So etwas hatte Mitterand erwartet, ja wohl auch als Bedingung gefordert, und damit schien Mitterrand besänftigt und Thatcher überstimmt (zumal die USA der wichtigste Unterstützer der Wiedervereinigung war und auch Gorbatschows Zustimmung vorlag).
Die endgültige Einführung des Euros – ohne England – geschah dann 2002, also 12 Jahre später.  Doch selbst danach blieb Deutschland bis heute ökonomisch dominierend, weiter zum Ärger Frankreichs, dessen Wettbewerbskraft schwächelt.
Das Problem der EuroKrise ist bekannt: Länder mit stark unterschiedlicher Wirtschaftskraft und auch unterschiedlichem Ökonomieverständnis gehören nicht unter eine Währungshaube.  Deshalb haben Henkel und viele Ökonomen natürlich völlig recht mit der Forderung nach Scheidung aus der gemeinsamen Währung.
Zurück im Jahr 1990: Im Donnelly-Report vom Juli 1990 für das Europäische Parlament zu den Auswirkungen einer deutschen Wiedervereinigung auf die Europäische Gemeinschaft heißt es:
German Economic and Monetary Union [GEMU] is now becoming reality. […] In one important aspect GEMU will represent an interesting prototype for the Community, in that full German Monetary Union is being achieved at a time when there are still enormous disparities in structure and performance between the economies of the two Germanies. It will give an opportunity of assessing the impacts of a monetary union preceding convergence in economic results.
At Euroean level, however, Economic and Monetary Union can only work if it is accompanied by moves to strengthen economic and social cohesion at Community level.
[1]
Dies ist ein wirklich interessanter Fund darüber, wie früh schon der Gedanke an eine Währungsunion (Monetary Union) öffentlich behandelt wurde, und wie die Einführung der D-Mark im Gebiet der DDR gewissermaßen als „interessanter Prototyp“ für Europa gesehen wurde, um zu erfahren, wie die Auswirkungen einer Währungsunion bei Staaten so unterschiedlicher Wirtschaftskraft sind. Für Europa wird allerdings noch der sinnvolle Schluss gezogen, dass eine europäische Währungsunion nur bei starker Vereinheitlichung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse gelingen könnte. Letzeres wurde bis heute nicht erreicht, trotz und wegen des Euros.

Um sich hier schlauer zu machen, speziell auch zu den Bedingungen der Einbettung eines wiedervereinigten Deutschlands in Europa sei ein sehr guter Übersichtsartikel in den Baltic Worlds von Prof. Karl Magnus Johansson von der schwedischen Universität Södertörn empfohlen: A Process of no return. Responses within the European Community to the fall of the Berlin Wall and the prospect of German Reunification.

Ich denke, letztlich ist der Euro weniger eine echte Bedingung Mitterands für die gar nicht aufhaltbare Wiedervereinigung gewesen, zumal das Einhalten dieser Bedingung kaum zu kontrollieren war, eine Wiedervereinigung eh nicht rückgängig gemacht werden konnte und Kohl selbst bereits in seinem 10-Punkte-Plan die europäische Einbettung vorsah. Allerdings ist der Euro gewissermaßen ein Resultat der Wiedervereinigung, bzw. ohne die Wiedervereinigung hätte sich Westdeutschland und seine Bundesbank niemals darauf eingelassen. Und anstatt Europa vor einem dominierenden Deutschland zu beruhigen, ist nun genau das Gegenteil eingetreten: die Eurokrise verschärft einen Wirtschaftskrieg zwischen Deutschland und Frankreich plus Club-Med. Ja, der Euro zerstört gerade die europäische Idee.

* Übersetzung: Ich liebe Deutschland so sehr, dass ich bevorzuge wenn es zwei davon gibt.

[1] Donnelly-Report für das Europäisches Parlament, Juli 1990, Dokument A3-183/90/Part B
siehe auch im Netz unter: europarl.europa.eu/pdf/cardoc/23369_CARDOC_Reunification_EN_WEB.pdf

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