Archiv für das Tag 'Bertelsmann-Stiftung'

Bertelsmann-Umfrage über faire Flüchtlingsverteilung in EU

16.2.16

Da wacht man friedlich auf, die Hand tapert noch etwas müde, die Augen noch geschlossen, in Richtung Radioknopf über’m Bett. Mal seh’n welche Sau gerade mal wieder von der Aktuellen Kamera des Kapitalismus (sprich öffentlich-rechtlicher Rundfunk) durch den Aether getrieben wird, Ha! Da ist sie wieder: Eine Bertelsmann-Studie, nein, eine Bertelsmann-Umfrage, die behauptet, dass die Mehrheit der EU-Bürger eine faire Verteilung von Flüchtlingen wolle. Ja, sogar 79% seien „für eine europäische Asyl- und Migrationspolitik“. Na prima, dann kann man ja gleich eine Volksabstimmung über Flüchtlingsaufnahme starten, die wäre dann im Gegensatz zu solchen, wochenweise von der Bertelsmann-Konzern-Stiftung durch den Aether getriebenen Studien und Umfragen wirklich demokratisch. Fangen wir mal mit Frankreich an, 79%, ha, das ist lustig. Und dann machen wir eine Abstimmung in Großbritannien, ha, 79%, das ist auch lustig, u.s.w. Diese Umfrage ist möglicherweise nur ein statistischer Misthaufen, da die Umfragen vermutlich per Smartphone erhoben wurden und damit die meisten Armen und Alten in Europa ausgeschlossen waren.
Schaut man sich die Infos zu der Bertelsmann-Umfrage auf deren Website an, so steht dort: „Die Umfrage wurde im Dezember 2015 in allen 28 EU-Mitgliedstaaten durchgeführt. Mit 11.410 Befragten ist sie repräsentativ für die Europäische Union. Zudem besteht Repräsentativität für die sechs größten Mitgliedsländer (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien und Polen).“ Aha, die Umfrage ist demnach also nur in 6 Ländern der EU wirklich repräsentativ, in Ungarn oder Österreich ist sie also nicht repräsentativ. Und wie wurde sie gemacht? Vermutlich nur per Smartphone oder gruseliger Social-Media-Tools, denn die durchführende Firma „Dalia Resaerch“ ist auf Smartphone-Umfragen spezialisiert! Haben die Öffentlich Rechtlichen Medien das überhaupt geprüft, bevor sie zweifelhafte Umfragen weiter kolportieren? Bertelsmann und die kollaborierenden Medien verschweigen die Methode!

Umfragen und Studien der Bertelsmann-Konzern-Stiftung sind wie medizinische Studien von Pharmakonzernen: Sie dienen ausschließlich der Meinungsmanipulation im Konzern-Interesse. Die besondere Gefahr für die Demokratie ist beim Bertelsmann-Konzern, dass er ein politisches Interesse an der Verbreitung des neoliberalen Kapitalismus (zusammen mit intransparenten Vereinen wie Atlantik-Brücke u.a.) verfolgt.

Was ist an Bertelsmann-Studien und -Umfragen so fragwürdig?

 

1) Sie werden wochenweise durch die Medien getrieben. Denn darin liegt der Hauptzweck dieser Umfragen: Sie sollen die Meinung der Bevölkerung im Sinne einer „marktkonformen Demokratie“ manipulieren, das Ganze gerne getunkt in die Soße einer sogenannten „Wissensgesellschaft“ und getüncht mit sozialwissenschaftlich anmutender Statistik. Durch die besten Beziehungen zur Aktuellen Kamera werden diese Studien umgehend in den hörigen Medien verbreitet. Mediale Belästigung wie in besten sozialistischen Zeiten, nur halt konzerngesteuert, nichts desto trotz reinste Propaganda.

2) Diese Studien und Umfragen werden oft von nicht unabhängigen Wissenschaftlern durchgeführt, sondern von privaten Instituten (Institut kann jeder, ein ungeschützter Begriff), die sich zuweilen gerne mit englischen Ausdrücken wie „research“ schmücken, also vorgeben, irgendetwas mit Forschung zu tun zu haben (kann auch jeder). An dieser Stelle sei auf die merkwürdige Studie über Zusammenhalt von Bertselsmann mit einer Privtahochschule hingewiesen..

Hinter der neuen Bertelsmann-Umfrage steht die 2013 (erster Auftrag?) in Berlin gegründete Start-up-Firma „Dalia Research“, also wieder eine Firma, die mit dem Begriff „research“ hantiert, hier im Sinne einer mobilen Smartphone-Marktforschung. Dafür hat sie wohl reichlich VC-Kohle akquiriert. Sie gibt sich sehr international, ihre paar Arbeiter schuften mit: „German efficiency, Spanish passion, British determination and French flair“. Au-weia, das muss schrecklich sein… Sie trinken gerne Kaffee und sind Weltreisende und labern sonst wie was auf ihrer Website. Wer will kann das per Metager.de gerne selbst herausfinden.

Soweit zu Bertelsmann und seinen kleinen Helfern.

Wir leben in einer gefährlichen Zeit schöner Worte wie „marktkonforme Demokratie“, „Wissensgesellschaft“ oder „Neue Mitte“ (und englisch gerne „committed“ zu einer „mission“, wie einst HJ oder FDJ). Dahinter verbirgt sich die Maske einer aufkommenden kapitalistischen Diktatur, die sich zur Rechtfertigung ihrer Thesen mit der meist missbrauchtesten Wissenschaft, der Sozialwissenschaft, schmückt. Die kapitalistische Diktatur muss konsequent mit den gleichen Mitteln demokratisiert werden wie alle Diktaturen.

Jetze endlich Kaffee, ciao & mit demokratisch-freiheitlichen Jrüßen, altegecko

Unsere Meinung, mal wieder perquisite:

Im Auftrag der politisch einseitigen, bekannt neoliberalen und ideologisch-kapitalistisch ausgerichteten Bertelsmann-Stiftung haben Soziologen der „Jacobs-University Bremen“ (Was für ein trauriger Name für eine Universität, da gibt’s den Kaffee wohl umsonst…Mit Jakobinern hat der Name sicher nichts am Hut!) jüngst eine Studie zum „Zusammenhalt in Deutschland“ veröffentlicht. Die Studie kommt kurz gesagt zu dem Ergebnis, dass der Zusammenhalt im Westen deutlich größer sei als im Osten. Das kann man dann auch oft wiederholt bei der Aktuellen Kamera des Kapitalismus hören und sehen.
Die Hauptkompetenz der mächtigen Bertelsmann-Stiftung ist ihre PR-Arbeit, was man mal wieder an der erfolgreichen Verbreitung der Studie in den Medien erleben durfte. Schauen wir doch mal rein in das Jacobs-Bertelsmännische Studierstübchen: da lesen wir auf S. 57 ein aufschlussreiches Resümee der Autoren:

Insgesamt lässt sich festhalten, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt innerhalb Deutschlands nicht von einer abstrakten Einkommensungleichheit gefährdet ist.

Hier verrät sich in geradezu propagandistisch anmutender Weise die oben bereits erwähnte neoliberal-kapitalistische Ausrichtung der Stiftung. Vermittelt werden soll, dass die zunehmende Einkommensungleichheit den Zusammenhalt der Menschen doch nicht gefährde. Da kann man nur sagen, selber denken ist zuweilen hilfreich. Weiter heißt es in der Studie auf S. 57:

Der hier vorgelegte Vergleich der Bundesländer zeigt, dass ‚ein paar Reiche‘ dem gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland nicht schaden, wohl aber eine nicht mehr zu vernachlässigende Zahl von Menschen, die arm oder von Armut bedroht sind.

Man mag kaum glauben, dass hier Wissenschaftler schreiben! Jedenfalls heißt das im Klartext: Seid schlau ihr reichen Pfeffersäcke, zu viele Arme darf es nicht geben! Stellt ein paar Suppenküchen auf und versorgt das Prekariat mit RTL II, dann wird’s schon nicht so schlimm, „ein paar Reiche“ werden akzeptiert, so droht schon kein revolutionärer Krawall im Vorgarten ihrer Villa. Weiter geht es in der Studie:

Relative Armut ist schlimmer als ausgeprägte Ungleichheit – konkrete Verbesserungen für sozial Schwache sollten der Gesellschaft folglich größeren Nutzen bringen als Maßnahmen, die sich allgemeiner gegen Ungleichheit richten.

Will heißen: Bloß keine politischen Maßnahmen gegen die Ungleichheit, wie z.B. durch eine höhere Besteuerung von Kapitaleinkünften oder großen Vermögen, nee, nee, so aber nicht bitte. Stellt lieber mehr Mindestlohn-Kindergärtner ein, das wird den Armen schon helfen. Und dazu vielleicht noch etwas mehr soziale Aufsicht für Brennpunktviertel.

Der Zusammenhalt ist laut geografischem Vergleich der Studie übrigens dort am größten, wo die meisten Steuerhinterzieher wohnen und die meisten CD-gestützten Selbstanzeigen wegen Steuerbetrug am Gemeinwesen auftauchen: In Hamburg, Baden Württemberg und Bayern.

Liebe Leute: Mächtige Einflussnehmer machen immer gerne soziologische Studien, um ihre politischen Ideologien durchzusetzen, das ist nicht neu. Seit skeptisch, bekämpft die Propaganda!

Es jrüßt mal wieder altergecko

Link zur Studie: http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-4E188A03-559EF24F/bst/xcms_bst_dms_39754_39755_2.pdf